THEORIE

UNERKLÄRLICHES

ETHIK

 

 

 

EINIGE ETHISCHE FRAGEN,  DIE SICH DAMALS STELLTEN

 

I

BRANDWUNDEN  SUGGERIEREN -  DARF MAN DAS?

 

Binet weisst eher beiläufig darauf hin, das Charcot, der damalige Starpsychiater, bei einer Patientin Brandwunden suggerierte.

Damit wird auf ein Experiment verwiesen, das wir in dieser Form heutzutage ganz bestimmt nicht mehr durchführen würden. Denn es ist ein Experiment, das für die beteiligte Person höchst unangenehm Brandwunden sind auch dann Brandwunden, wenn sie suggeriert worden sind. Sie schmerzen denn auch -  und sie schmerzen  oft ziemlich heftig und oft ziemlich lange.

Tatsächlich hat man den Eindruck, dass ethische Fragen zur damaligen Zeit wenig oder gar nicht diskutiert wurden, wenn es um Experimente in Hypnose ging.

 

II

Übelkeit erzeugen

Das sieht man auch daran, dass man damals nicht zögerte, einer Versuchs-person einzureden, sie hätte etwas zu sich genommen, das ihr nicht gut bekommen war- worauf es der Versuchsperson speiübel wurde und sie sich übergeben musste.

 

 

III

Patientinnen lächerlich machen - posthypnotische Suggestionen 

 

Da suggerierte man oft den Versuchspersonen, Dinge zu tun, die für sie unangenehm und peinlich waren und sie zuweilen auch der Lächerlichkeit preisgaben.

Man gab einer Patientin zum Beispiel die posthypnotische Suggestion, sich mit einem Blumenstrauss zu einer bestimmten Zeit beim Arzt vor seiner Privatwohnung einzufinden, dort zu läuten und den Blumenstrauß zu überreichen.

Die Patientin tat dies, und es war ihr ausgesprochen peinlich: Sie wusste nicht, dass ihr in Hypnose dieser Auftrag gegeben wurde.

Deshalb stand sie vor der Türe und suchte verzweifelt nach einer Erklärung dafür, warum sie vor der Türe stand.

 

 

 

III

 

Hypnose: Auftrag zum Mord?

Und nicht vergessen darf man: Man hielt sie auch zu verbrecherischen Handlungen an - zum Beispiel zu einem Mord.

 

UNETHISCHES VERHALTEN ERBRECHEN IN HYPNOSE

 

"Bei der Suggestion von Unwohlsein erbricht sie in wenigen Augenblicken - ohne jede Hilfe - den Inhalt ihres Magens."

Jendrássik, 1888, S. 321

 

 

 

 

Immer wieder diskutiert wurde die Frage, ob man eine Person hyonotisieren und in der Hypnose dazu bringen kann, etwas zu tun, das sie eigentlich gar nicht tun will - kann man eine Person dazu überreden, gegen ihren Willen in der Hypnose beispielsweise einen Mord zu be-gehen?

Wir tragen einige Beobachtungen zusammen, die in diesem Zusam-menhang gemacht wurden.

Sie sind zum Teil etwas beängstigend.

 

Da ist zum Beispiel eine kurze Bemerkung eines Autors:

 

"Suggestion, Dr X. posthypnotisch zu ermorden. Man gibt der Patientin ein gerolltes Papier und suggeriert es als Dolch. Erwacht schleicht sie sich hinter Dr. X. und sticht mit der Rolle wütend nach ihm."

 

Krafft-Ebing, 1889, zweite Auflage, S. 25

 

Albert Moll, 1890, S. 286, äussert sich ebenfalls zu dieser Frage. Er weist zuerst darauf hin, dass die Gelehrten unterschiedlicher Meinung sind: Einige gehen davon aus, dass Verbrechen in Hypnose möglich sind, andere halten dies für undenkbar. Allerdings, so fährt Moll fort, hat ein Autor mit dem Namen Liégeois diesbezügliche Untersuchungen

"mit allen äusseren Anzeichen des Ernstes, selbst mit Beteiligung von Gerichtsbeamten, angestellt."

 

Bei diesen Beispielen handelt es sich um direkte Aufträge.

Es gibt aber eine andere Form der Suggestionen. Bei ihnen fordert man die Person nicht direkt auf, etwas zu tun. Man kreiert stattdessen eine Situation, in der sich die Persönlichkeit selbst dazu entschließt, das gewünschte Verhalten zu zeigen. 

Ein Beispiel: Man suggeriert einer Person nicht direkt, dass sie dem Kollegen X ein Buch stehlen soll.

Aber man suggeriert ihr, dass der Kollege X  schon lange von der Person ein Buch erhalten hat. Dieser Kollege aber, so suggeriert man weiter, weigert sich standhaft, das Buch herauszurücken.

Macht sich in diesem Fall die Person zum Kollegen auf und entwendet ihm dieses Buch, hat man die Person dazu gebracht, eine strafbare Handlung zu begehen ...

 

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