Tischerücken war mal gross in Mode.

 

15. 1. 2025

Tischrücken mit Faraday: eine heikle Sache 

 

Faraday findet die Lösung

 

Es war damals in Mode: Einige Personen setzten sich an einen Tisch, legten ihre Hände auf diesen Tisch stellten dann fest, dass sich der Tisch in die eine oder andere Richtung bewegte.

Das war vorderhand sehr rätselhaft. Dann aber wartete der Wissenschafter Faraday mit einer Erklärung auf.

Die Hände der Leute führen unbewusst kleine Bewegungen aus, und diese Bewegungen bewirken, dass sich der Tisch bewegt.

Das tönte plausibel. Es tönt so plausibel, dass das Phänomen des Tischerückens gleichsam abgehakt werden konnte: Es wurde zu einem auf den ersten Blick merkwürdigen, aber mit solider Physik durchaus erklärbarem Geschehen - nichts da  von Naturgesetze, die Gott in diesem speziellen Falle ausser Kraft setzt.

 

 

Die Folgen von Faradays Lösung

Die Folgen waren ziemlich einschneidend. Faraday hatte eine Lösung geliefert, die das Phänomen des Tischerückens gewissermaßen entzauberte: Es war zu einem Geschehen geworden, das sich physikalisch vollständig erklären liess.

Diese Meinung wird bis heute vertreten. So ist es denn kein Zufall, dass im englischsprachigen Artikel zu ,James Braid ((surgeon), lesen wir denn auch, dass der  berühmte Hames Braid dem berühmten Michael Faraday zustimmt und ebenfalls der Meinung ist, dass das Tischerücken von Faraday vollständig (entirely) mit unbewussten Fingerbewegung erklärt werden kann. (Zugriff Wikipedian6 2025)

Interessant in duesem Zusammenhang  ist ein Wikipedia-Artike

Im deutschsprachigen Wikipedia-Artikel zum Tischrücken steht sehr nüchtern:

,Der Physiker Michael Faraday wies nach, dass das Phänomen des Tischerückens durch den unbewussten Muskeldruck der auf ihm ruhenden Hände ausgelöst wird.'

Interessanterweise gibt der Wikipedia-Artikel nicht den Ausatz oder die Erläuterungen an, die Faraday zu diesem Thema verfasst hat;. Der Artikel bezieht sich auf ein Buch von Ulrike Müller-Kasper, das den Titel ,Das große Handbuch des Aberglaubens' trägt.

Dass sich der Artikel auf ein Handbuch des Aberglaubens bezieht, ist kein Zufall. Dies fasst vermutlich die allgemeine Haltung zum Tischrücken gut zusammen. Nur besonders unbelehrbare und zum Aberglauben neigende Menschen nehmen das Tischerücken heute noch ernst und glauben, dass dieses Phänomen Aspekte aufweist,  due noch nicht so ganz klar sind.

Tatsächlich müsste man, wenn es so wäre, wie Faraday dies sagt, die Sache mit  dem Tischerücken nicht mehr ernst nehmen.

Im Wikipedia-Artikel finden sich allerdings einige Worte, die aufhorchen lassen. Die Rede ist von Händen, die auf dem Tisch ruhen. Das tönt harmlos und vernünftig - unwillkürlich Bewegungen der Hände  können nur dann den Tisch in Bewegung setzen, wenn zwischen Tisch und Hände ein physischer Kontakt besteht.

Gräbt man ein wenig in der älteren Literatur, taucht allerdings  ein Problem auf, die zeigen, dass in der Tat noch nicht alles sonnenklar ist.

 

 

19.1. 2025

Tischerücken nach Faraday - worin besteht das Problem?

 

Auf das Problem wird man aufmerksam, wenn man einen Satz bei Prel liest.  Dieser schreibt, dass ein Forscher  "Versuche anstellte, bei denen der mechanische Einfluss, auch der von unbewussten minimalen Muskelbewegungen ausgeschaltet war."

So gab es zum Beispiel, fährt Prel fort,  Versuche, die nachwiesen, "dass die Bewegung auch dann eintrat, wenn man die Zipegl eines über den Tisch gebreiteten Tuches oder auch die Endstücke von Schnüren anfasst, die  l o s e  herabhängend an der Tischplatte befestigt waren." (Prel, S. 169)    

Crook /189/

Daneben gab es andere, die sich darum bemühten, Tischrücken  o h n e   Berührung zu erreichen.

"Deshalb wurde", so lesen wir in einem Text, "folgendes Experiment  versucht:

Nachdem ein Comité von elf Personen rings um den .... Speisetisch .. gesessen hatte und verschiedene Bewegungen und Tön erfolgt waren, wurden die Stühle mit ihren Rücklehnen gegen den Tisch gekehrt, ungefähr neun Zoll von demselben entfern. Alle Anwesenden knieten hierauf auf ihre Stühle und legten ihre Arme auf die Rücklehne derselben. In dieser Stellung waren die Füsse selbstverstänbdlich vom Tisch abgekehrt und konntn unmöglich unter ihn gesetzt werden, noch den Fussboden berühren. Die Hände wurden über dem Tische ungefähr vier Zoll von dessen Oberfläche entfernt gehalten.  163

In dieser Stellung war Berührung mit irgend einem Theile des Tisches physikalisch unmöglich.

In weniger als einer Minute bewegte sich der sonach gängzlich unberührte Tisch viermal; zuerst ungefähr fünf Zoll naxh einer Seite, hierauf ungefähr vier Zoll und zuletzt sechs Zoll. 

Eine Überprüfung nachher ergab, dass der Tisch, der in seine Einzelteile zerlegt worden war,  keine Auffälligkeiten aufwies.

Bemerkenswert ist, dass die Versuche "bei vollem Gaslicht über dem Tische" ausgeführt wurden.

Das führt zu folgendem Fazit:

"Es war keine Täuschung möglich. Die Bewegungen fand von einer Stelle zu einer anderen im Zimmer statt und wurden gleichzeitig von allen Anwesenden beobachtet. Sie waren als Thatsachen der Messung, und nicht der blossen Meinung der Einbildung unterworfen.   

Bericht des Sub-Comités d. Dialekt. Gesellschaft von London, in Psychische Studien, 1. Jahrgang, 4. Heft (April 1874)

Damit ergibt sich folgendes Problem:

Faraday hat eine Erklärung jene Formen des Tischerückens geliefert, die auf einem physischen Kontakt zwischen Menschen und Tischflächen beruhen. 

Eine Erklärung legt Faraday nicht vor für jene Formen des. Tischerückens, bei denen ein solcher Kontakt nicht besteht.

Das wäre an sich kein Problem, sofern die Grenzen der Erklärung von Faraday aufgezeigt würden. Leider geschieht dies nicht immer. Deshalb wird das Tischerücken bis in die heutige Zeit oft falsch dargestellt. Es wird so getan, wie wenn alle Formen des Tischerückens damit erklärt wären.

 

 

22. 1. 2025

Tischerücken: Hare nimmt sich der Sache an

 

Das Tischerücken ist in der Zeit nach Faraday immer wieder untersucht worden. Vermutlich eine der ersten Untersuchungen stammt von Hare. Dieser verwendete Messapparate, die zeigen sollten, dass die Tischbewegugen nicht auf den physischen Kontakt zwischen Tischen und Hände zurückgehen.

Für den physikalischen Laien ist es nicht ganz einfach, die Aussagekraft dieser Messungen zu  beurteilen. Hare scheint es aber gelungen zu sein zu zeigen, dass nicht alle Formen des Tischerückens auf physischen Kontakt zwischen Händen und Tischplatten zurückgehen können.

Hare und Farday scheinen von unterschiedlichen Seiten an die Sache herangegangen zu sein. Faraday tat es als der Sicht eines Physikers, der ein zunächst unerklärliches Phänomen mit auf einer physikalischen Ebene zu erklären versuchte. Hare dagegen war es wichtig, die physikalische Erklärung auszuschließen: ihm ging es darum zu zeigen, dass die so merkwürdigen Phänomene wie das Tischerücken auf einer geistigen Ebene verursacht werden.

Erwähnenswert sind die Ausführungen von Hare noch aus einem anderen Grund: Wirft man einen Blick auf die Apparate, die Hare verwendete, wird klar, dass da jemand wissenschaftlich gearbeitet hat.

Daran sollte alle Leute denken, die Tischerücken und andere merkwürdigen Erscheinungen als Humbug abtun. Oft tun sie dies mit der Begründung, dass Hare und andere Personen zu ihren Thesen gekommen sind, weil sie sich ihre spinnerten Ideen zusammengeschustert hatten - ohne diese einer näheren Überprüfung zu unterziehen.

Dieser Annahme allerdings muss man widersprechen: Das Interessante - und eigentlich ziemlich verwirrliche -ist dies: Die Aussagen wurden aufgrund wissenschaftlicher Untersuchungen getätigt - und zwar von Leutenn, die sich als Wissenschafter verstanden und die sich auch verpflichtet fühlten, wissenschaftluch zu arbeiten.

 

 

 

 

25.1. 2025

Was Faraday nicht erklärte 

Diese Beobachtung scheint die Leute ziemlich erstaunt zu haben:

Die Leute bildeten einen Kreis um den Tisch, hatten ihre Hände auf dem Tisvh, und dieser begann sich zu bewegen..Dann aber geschah dies: Due Leute entfernten ihre Hände vom Tisch und hielten diese etwa in der Distanz von einem englischen Fuss von ihm.

Trotzdem bewegte sich der Tisch weiter.

Den Leuten muss das fast ein wenig unheimlich vorgekommen sein. 

Ob es dafür eine physikalisch bündig Erklärung gibt, muss hier offenbleiben. Faraday äussert sich nicht zu der Gruppe jener Phänomen, bei denen Tische gewissermaßen weitermarschieren.

Nach Hare, deutsche Übersetzung, S.