Fragen über Fragen

 

Unheimlichen Begegnungen

Wenn man sich selbst begegnet: Berichte von unheimlichen Begebenheiten - mit denen auch Goethe konfrontiert wurde. Er sah sich selbst auf der Strasse wandern.

PS 2 1875 S. 316

 

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Chronisch unterschätzt: Alfred Binet

 

Wenn man sich auf der deutschen Wikipedia-Website über Alfred Binet informiert, erlebt man eine kleine Überraschung.

Da wird eingehend darüber informiert, welchen wichtigen Beitrag Binet zur Entwicklung der Intelligenztests geliefert hat. Ohne Binet gäbe es die Intelligenztests und den IQ  in der heutigen Form nicht.

Nicht erwähnt wird jedoch, dass Binet Arbeiten zu den Themen Suggestion, Halluzinationen und Hypnose vorgelegt hat.

Und auch zu unbewussten Prozessen: Da hat Binet Untersuchungen vorgelegt, die empirisch unterlegt sind und Hand und Fuss haben - beschäftigt man sich mit dem 'Unbewussten', sollte man nicht nur an Freud denken. Eine Lektüre von Binets 'On Double Consciousness' ist in diesem Zusammenhang absolute Pflicht.

Also gilt: Vergesst Alfred Binet nicht - wir kommen auf ihn zurück.

 

 

22. 6. 2026

 

Früher war alles besser  - ach woher ...

Wir werden heute überflutet - überflutet von wissenschaftlichen Arbeiten. Kein Mensch kann den Überblick behalten.

Früher, so denkt man sich, war alles besser. Da hatte der Forscher noch Zeit, sich mit den einschlägigen Publikationen zu beschäftigen.

Nun ja  -  ein Forscher der damaligen Zei erwähnt beiläufig, dass innerhalb eines Jahres 3000 Artikel zur Hypnose erschienen sind ...

3000 Artikel ... 

Dass auch damals seriöse Forscher Mühe hatten, alles im Griff zu behalten, liegt auf der Hand.

 

                                      

6. 1.

 

WISSENSCHAFTLICHE UNTERSUCHUNGEN: DIE ETHIK

 

Der Autor geht nicht näher auf dieses Experiment von  Charcot ein. Ein Punkt ist jedoch bemerkenswert:

 

Es wird hier auf ein Experiment verwiesen, das wir in dieser Form heutzutage ganz bestimmt nicht mehr durchführen würden. Denn es ist ein Experiment, das für die beteiligte Person höchst unangenehm ist: Brandwunden sind auch dann Brandwunden, wenn sie suggeriert worden sind. Sie schmerzen denn auch -  und sie schmerzen  oft ziemlich heftig und oft ziemlich lange.

Tatsächlich hat man den Eindruck, dass ethische Fragen zur damaligen Zeit wenig oder gar nicht diskutiert wurden, wenn es um Experimente in Hypnose ging.

Das sieht man auch daran, dass man damals nicht zögerte, einer Versuchs-person einzureden, sie hätte etwas zu sich genommen, das ihr nicht gut bekommen war- worauf es der Versuchsperson speiübel wurde und sie sich übergeben musste.

Oder man sieht es auch an den posthypnotischen Suggestionen: Da suggerierte man oft den Versuchs-personen, Dinge zu tun, die für sie unangenehm und peinlich waren und sie zuweilen auch der Lächerlichkeit preisgaben.

Und nicht vergessen darf man: Man hielt sie auch zu verbrecherischen Handlungen an - zum Beispiel zu einem Mord.

 

UNETHISCHES VERHALTEN ERBRECHEN IN HYPNOSE

 

"Bei der Suggestion von Unwohlsein erbricht sie in wenigen Augenblicken - ohne jede Hilfe - den Inhalt ihres Magens."

Jendrássik, 1888, S. 321

 

 

 

 

Immer wieder diskutiert wurde die Frage, ob man eine Person hyonotisieren und in der Hypnose dazu bringen kann, etwas zu tun, das sie eigentlich gar nicht tun will - kann man eine Person dazu überreden, gegen ihren Willen in der Hypnose beispielsweise einen Mord zu be-gehen?

Wir tragen einige Beobachtungen zusammen, die in diesem Zusam-menhang gemacht wurden.

Sie sind zum Teil etwas beängstigend.

 

Da ist zum Beispiel eine kurze Bemerkung eines Autors:

 

"Suggestion, Dr X. posthypnotisch zu ermorden. Man gibt der Patientin ein gerolltes Papier und suggeriert es als Dolch. Erwacht schleicht sie sich hinter Dr. X. und sticht mit der Rolle wütend nach ihm."

 

Krafft-Ebing, 1889, zweite Auflage, S. 25

 

Albert Moll, 1890, S. 286, äussert sich ebenfalls zu dieser Frage. Er weist zuerst darauf hin, dass die Gelehrten unterschiedlicher Meinung sind: Einige gehen davon aus, dass Verbrechen in Hypnose möglich sind, andere halten dies für undenkbar. Allerdings, so fährt Moll fort, hat ein Autor mit dem Namen Liégeois diesbezügliche Untersuchungen

"mit allen äusseren Anzeichen des Ernstes, selbst mit Beteiligung von Gerichtsbeamten, angestellt."

  1. 286

 

a war ein Prozess geführt worden, und der König war mit dessen Verlauf nicht zufrieden Ein Herr Grattenauer beeilte sich, in diesem Zusammenhang ein Buch zu schreiben. Das Buch trägt den Titel 'Über den Begriff der Suggestivfragen'.

Das Buch ist im Jahre 1803 erschienen, und es geht in ihm darum zu verhindern, dass die Richter Suggestivfragen stellen.

'Suggestivfragen' sind für Grattenauer Fragen, bei denen die Antwort dem Befragten in den Mund gelegt - und damit also suggeriert  - wird. 

Grattenauer sagt zum Beispiel, dass folgende Frage nicht zulässig ist:

'War X beim Duell ebenfalls anwesend?'

Korrekt formuliert, muss die Frage lauten:

'Wer war beim Duell anwesend?'

Man sieht daraus: Mit Suggestionen und Suggestivfragen beschäftigt man sich schon seit langer Zeit: Man wusste, dass sie vor Gericht zu Falschaussagen führen können.

Grattenauer ist nicht der erste Autor, der die Begriffe 'Suggestion' und 'Suggestivfragen' verwendet. In seinem Traktat erwähnt Grattenauer einen Autor namens Kleinschrod, und bei ihm tönt das dann so:

'...denn im allgemeinen ist Suggestion eine Handlung, welche einem Andern gegrün-deten Anlass gibt, etwas zu sagen, wodurch er, gegen die Wahrheit, etwas bejaht oder verneint.'

Kleinschrod bezieht seine Aus-führungen auf Verhandlungen, die vor Gericht geführt werden. Offensichtlich war man sich schon früh der Gefahren bewusst, die von Suggestivfragen ausgingen.

Denn immerhin:

Das Buch von Kleinschrod erschien 1787...

 

 

(4)

SUGGESTION: AUSSER-ORDENTLICHE KOMMUNIKATIONSWIRKUNGEN

 

Theodor Lipps, ein bekannter Psychologe, beschäftigt sich in einem Aufsatz mit Suggestionen. Im Aufsatz findet sich folgende Aussage von ihm:

"Suggestion (...) ist keineswegs beliebige Weckung von Vorstellungen, sondern sie ist zugleich die Herbeiführung einer inadäquaten oder abnormen Wirkung dieser Vorstellung."

Lipps,  1897, S. 158

Das war den Leuten schon lange klar: Wenn wir mit einem andern Menschen kommunizieren, entstehen im Kopf des Gegenüber Gedanken, Gefühle und auch Bilder - 'Vorstellungen' also, wie dies Lipps nennt.

Diese Vorstellungen, so kann man weiter überlegen, beeinflussen unsere emotionale Befindlichkeit, indem sie uns fröhlich oder traurig oder wütend machen, und sie beeinflussen auch unser Tun und Lassen.

Sie führen damit also eine 'Wirkung' herbei.

Meistens bewegt sich diese Wirkung in einem gewöhnlichen Rahmen. Sie führt zu  Gefühlen in einer Form und in einem Ausmass, wie wir es vom Alltag her gewohnt sind, und sie bewirken Handlungen, die wir vom Alltag her ebenfalls kennen und dementsprechebd auch erwartet haben.

'Möchten Sie noch ein Stück Kuchen?', fragt die Hausfrau den Gast, und dieser reagiert so, wie man dies erwartet: Er versichert, dass der Kuchen ausgezeichnet sei, aber er leider so satt sei, dass ein weiteres Stück Kuchen nicht mehr drinliege.

Damit hat due Kommunukation der Hausfrau beim Gast eine Wirkung erzielt, die zu erwarten war und die dementsprechend denn auch normal ist.

 

Aber, und das ist der Punkt, auf den Lipps hinweist, manchmal führen wir mit unserer Kommunikation Vorstellungen herbei, deren Wirkung aus dem Rahmen des Gewöhnlichen fällt: Die Vorstellungen bewirken Gefühle in einer Art und Weise und in einer Intensität, die uns überrascht Und sie bewirken Handlungen, die wir nicht erwartet haben.

'Und dort sitzt ein Kätzchen', sagt der Therapeut zu einem Mädchen. Dieses steht auf, geht zum Kätzchen und streichelt es - und wir als aussenstehende Beobachter staunen: Da ist gar kein Kätzchen.

Die Weckung der Vorstellung eines Kätzchens hat beim Mädchen zu einer Wirkung geführt, die wir als 'abnorm' ansehen.

Was versteht man nun also unter einer Suggestion?

Die Wissenschaft hat die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten.

Erstens: Sie kann unter der Suggestion alle durch Kommunikation herbeigeführten Vorstellungen und deren Wirkungen erfassen.

Oder zweitens: Sie kann unter dem Begriff 'Suggestion, lediglich jene durch Kommunikation herbeigeführten Vorstellungen erfassen, deren Wirkungen inadäquat oder abnorm sind.

Die Wissenschafter in den Jahren zwischen 1850 und 1900 interessierten sich vor alkem für due inadäquaten und abnormen Wirkungen - die nicht selten unerklärlich waren.