Hypnose - Interessantes und Kurioses
Wir werden heutzutage mit Informationen überflutet.
Dann denken wir zurück an die gute alte Zeit:
Da hatten es die Wissenschafter leicht. Denn sie wurden nicht überlfutet - es ga damals nur wenige Bücher, die neu erschienen. und es gab auch nur wenige Fachzeitschriften, die man studieren musste.
Stimmt gar nicht.
Dank des Internets werden heute Bibliotheken und Archive geöffnet, die uns vorher verschlossen blieben.
Und sieh da:
Es gab schon früher jede Menge von Fachbüchern, und Fachzeitschriften. Und wer sie wirklich alle lesen und verarbeiten wollte, musste sich gewaltig anstrengen-
Wie viele Fachbücher und Zeitschriften dies waren, erfahren wir von Pierre Janet - einem Mann, der Tausende von Patientinnen und Patienten hypnotisierte (und der über diese Hypnosesitzungen getraulich Protokoll führte. Und der alle diese Protokolle vernichtete ...)
Janet sagt, dass pro Jahr 3000 Arbeiten erschienen sind, die sich mit der Hypnose beschäftigen.
Ich habe nicht den Anspruch, alle diese Arbeiten zu lesen. Aber ich blättere in alten Archiven und Bibliotheken.
Da stosse ich auf Interessantes und Kurioses.
Und darüber berichte ich Ihnen.
Wie war es, im 19. Jahrhundert ein Hypnotiseur zu sein?
Ein Blick in ein Lehrbuch
Natürlich gab es damals auch Lehrbücher. Sie sollten den Leuten sagen, wie sie beim Hypnotisieren vorzugehen hatten.
Wir sehen uns einige Bücher aus dieser Zeit an. Dabei stellen wir einen Aspekt in den Vordergrund: Wir gehen der Frage nach, wie die Hypnotiseure der damaligen Zeit Menschen in Hypnose versetzten.
Ein erstes Lehrbuch, das uns interessiert, trägt den Titel
The illustrated practical Mesmerist.
Geschrieben wurde es von William Davey, und erschienen ist es in der sechsten Auflage im Jahre 1862.
Da es in der sechsten Auflage erschien, kann man annehmen, dass es sich um ein beliebtes Buch handelte, das damals eifrig gelesen wurde.
Was sagt Davey zur Frage, wie ein Mensch in Hypnose versetzt werden soll?
Davey gibt zuerst einige Hinweise zur Vorbereitung:
Menschen, die in Hypnose versetzt werden sollten, nehmen einem bequemen Sessel Platz. Dieser soll sich in einem ruhigen Raum befinden; Lärm von Aussen soll tunlichst vermieden werden.
Grosses Gewicht legt Davey auf die Begleitperson:
Davey fordert, dass sich während der Hypnose neben der hypnotisierten Person zwingend eine weitere Person im Raum befinden soll.
Menschen, die in Hypnose versetzt worden sind, haben oft keine Erinnerung an jene Zeitphase, zu der sie sich in Hypnose befanden. Das verunsichert sie, und da kann die Begleitperson helfen: Sie ist der Garant dafür, dass die hypnotisierte Person korrekt behandelt worden ist.
Die Person, die hypnotisiert werden soll, lässt sich in einem bequemen Sessel nieder. Der Hypnotiseur setzt sich ihr gegenüber. Seine Knie berühren die Knies der zu hypnotisierenden Person.
Dann führte der Hypnotiseur Handbewegungen aus. Sie erfolgen zum Teil, indem er die zu hypnotisierende Person berührt. Zum Teil erfolgen sie, in dem die Hände eine gewisse Distanz zum Körper der zu hyonotisierenden Person einhalten.
Vielleicht fällt Ihnen ein Punkt auf:
Da wird eine Hypnose durchgeführt, ohne dass etwas gesprochen wird.
Und so könnte man, überspitzt formuliert, sagen:
Die Hypnose im 19. Jahrhundert arbeitete mit den Händen, jene aus unseren Tagen mit Worten - mit Suggestio6nen auch.
Und Sie können sich fragen:
Warum wirken beide Ansätze - jene mit Worten und jene mit den Händen?
Als die Hypnose ,Neurypnology' hiess
Woher kommt das Wort ,Hypnose'?
Wendet man sich mit dieser Frage ans Internet, ist die Antwort eindeutig: Eingeführt hat diesen Begriff der Herr Doktor James Braid, und dies geschah im Jahr 1843.
So ganz klar ist die Sache nicht.
Denn es gibt einen Herrn mit dem eleganten Namen Étienne Felix d'Henin de Cuvillers. Er hat bereits 1822 das Wort hypnos erwähnt.
Doch zurück zu James Braid. Von ihm ist tatsächlich 1843 ein Buch erschienen.
Im Buchtitel kommt das Wort Hypnose jrdoch nicht vor.
Der Buchtitel lautet so:
Braid, James:
Neurypnology; or, the Rationale of Nervous Sleep considered in relation with Animal Magnetism.
Ein wenig eingängiger Buchtitel ...
Wie verhält es sich mit dem Wort Hypnose im Inneren des Buches?
In der englischen Sprache heisst Hypnose hypnosis.
Und da hat Braid eine weitere kleine Überraschung bereit: Im Buch selbst kommt das Wort hypnosis nicht vor. Zwar spricht Braid unter anderem von hypnotic und von hypnotist - doch das, was wir heute Hypnose nennen, bezeichnet er als Hypnotism, worunter er den 'nervous sleep' versteht (S. 13)
Aber wie gesagt: Das Wort hypnosis fehlt.
Es fehlt übrigens auch in einem.späteten Buch von Braid.
Das ist etwas merkwürdig.
Es ändert aber nichts daran, dass das Wort Hypnose mit Ausnahme von Japanisch und Koreanisch und anderen weit entfernten Sprachen in so gut wie alle andern Sprachen übernommen worden ist.
Warum wurde das Wort .Hypnose' zu einer Erfolgsgeschichte?
Zu der Zeit, zu der das Wort Hypnose eingeführt wurde, gab es eine echte Konkurrenz. Es lagen auch andere Wörter vor, die das bezeichnen, was wir heute Hypnose nennen.
Da war das Wort Mesmerismus.
Da war das Wort Magnetimus
Beide Begriffe hatten ihre Nachteile.
Das Wort Mesmerismus war an die Person von Mesmer gekoppelt, und dieser hatte mit einem speziellen Problem zu kämpfen: Manche Leute hassen ihn innig, und sie hassten auch die Lehre, die er aufgestellt hatte. Mit dem Wort Mesmerismus wollten diese Leute nichts zu tun haben.
Das Wort Magnetismus steht für eine Theorie. Diese Theorie besagt, dass der Hypnose Kräfte zugrunde liegen, wie wir sie von den Magneten her kennen.
Nicht alle Experten waren der Meinung, dass in der Hypnose solche Kräfte wirksam sind, und so lehnten sie den Ausdruck ,Magnetismus' ab.
Der Begriff Hypnose' hatte es da besser. Er leitet sich vom griechischen Wort für Schlaf ab und ist von da her ziemlich unverfänglich. Er wird nicht mit einer Theorie gleichgesetzt, sondern beschreibt das, was offensichtlich ist: Leute in einem hypnotischen Zustand sehen gleich aus wie Leute, die schlafen.
Und da ist noch ein anderer Punkt:
Das Wort Hypnose ist kurz und einprägsam. Man kann es sich gut merken.
Das hat sicher dazu beigetragen, dass es seinen Siegeszug rund um die Welt angetreten hat.
Dass der so sperrige Begriff Neurypnologie dagegen keine Chance hatte, liegt auf der Hand - es ist ein Wort, das man liest und sofort wieder vergisst.
Übrigens:
Im Buch ,Neurypnology' kommt das Wort ein einziges Mal vor - im Titel.
Auch sonst kann man nicht sagen, dass das Wort häufig anzutreffen ist. Der Oxford Dictionary sagt, dass es unter 100 Millionen Wörtern ein einziges Mal vorkommt.
Als Fachausdruck ist das Wort neurypnology ein voller Misserfolg.
oed.com/dictionary/neurypnology. Z. 14 8 2026
Hypnose und Ballonfahren
Wie steht es um die Hypnose, wenn man sich mit einem Ballon in die Luft begiebt und dort jemanden zu hypnotisieren versucht?
Das hat ein Wissenschafter abgeklärt.
Herausgefunden hat er dabei, dass sich die Kraft der hypnotischen Einwirkung steigert, wenn diese in einer grossen Höhe erfolgt.
Herausgefunden hat er auch, dass die Wirkung der hypnotischen Kraft anders ausfällt, je nachdem ob sie in einem Zug, auf einem Schiff oder eben in einem Ballon eingesetzt wird.
Auf den ersten Blick mag das Bemühen des Wissenschafters merkwürdig erscheinen. Doch merkwürdig ist es nicht: Da ist ein Wissenschafter am Werk, der versucht, mehr über die so geheimnisvolle hypnotische Kraft herauszufinden.
Quelle
Journal du magnétisme, 1853, S 84
Kann man einen Affen hypnotisieren?
Das hat ein Wissenschafter versucht.
Seine Untersuchung nahm er an einem Affen vor - um welche Affenart es sich dabei handelt, verrät uns der Autor nicht.
Offenbar sind die Ergebnisse nicht sehr aussagekräftig ausgefallen. Der Autor weist aber darauf hin, dass der Affe in einen hypnoseähnlichen Schlaf verfallen ist - auffallend an diesem Schlaf ist, dass der Affe dabei eine Schlafposition einnahm, wie sie üblicherweise bei Affen nicht vorkommt.
Quelle
Journal du magnétisme 1853, S. 131
Dass versucht wird, einen Affen zu hypnotisieren, mag Ihnen vielleicht merkwürdig erscheinen. Doch dies hat einen ernsthaften Hintergrund:
Es gab bereits früh im 19. Jahrhundert Leute, die davon überzeugt waren, dass die Wirkung der Hypnose auf ,Vorstellungen' (imagination im Französischen) zurückgehen . Für diese Leute war die imagination der Dreh- und Angelpunkt: Alle hypnotischen Phänomen wurden darauf zurückgeführt.
Da tauchte dann allerdings ein Problem auf: Schon früh wurde auch festgestelt, dass bei Tieren Phänomene auftreten können, die verdächtig an hypnotische Phänomene bei Menschen erinnern. (Esdaile 1846 hat denn auch darauf hingewiesen, dass die Pferdeflüsterer ähnliche Manipulationen vornehmen, wie sie Hypnotiseure den Menschen gegenüber vornehmen.)
Das aber setzte voraus, dass bei den Tieren ebenfalls die îmagination' eine Rolle spielt - nur so war es möglich, dass hypnotische Phänomene bei den Tieren auftreten.
Dieses Problem ist auch dem Baron d'Henin de Cuvillers bewusst, der die 'Archives' herausgab und der im Übrigen ein gühender Vertreter der Auffassung war, dass imaginations entscheidend sind.
Er löst das Problem mit den Tiern wie folgt;
Er hält die Hypnose bei Tieren deshalb für möglich, weil es offensichtlich Tiere gibt, bei denen eine imagination erreicht wird.
Das wirkt ein wenig hilflos. Denn was in den Köpfen von Tieren vorgeht, weiss niemand genau, und es lässt sich auch nicht untersuchen - bei Menschen liegt immerhin ein Vorteil vor: Menschen können über das berichten, was in ihrem Kopf vorgeht. Tiere können dies nicht.
Und so hilft sich der Baron, indem er eine Vermutung äussert, die weder beweisbar noch widerlegbar ist.
Archives du magnétisme animal, Nr. 7, 1822, S. 53,
Z 20. 9. 2026
Der Papst ist dagegen
Der Vatikan sah sich dazu veranlasst, siich ein weiteres Mal mit dem Magnetismus zu beschäftigen.
Das tat er denn auch, und die Folge davon war eine Schrift.
Unterzeichnet wurde sie vom damaligen Papst Gregor XVI.
Ihr Inhalt kann in einem Satz zusammengefasst werden:
Die Verwendung des Magnetismus ist nicht erlaubt.
Diese Schrift erschien am 21. April 1841.
Quelle: Journal du Magnétisme 1853, 354 Z 4 8 2026
Übrigens:
Die Hypnotiseure erreichten Heilungen, die manchmal fast wie ein Wunder wirkten.
Für die Kirche stellte sich da eine Frage:
Jesus bewirkte Wunder.
Und auch Heilige vermochten dies zu tun.
Doch die Leute, die mit Hypnose arbeiteten und heilten, waren nicht unbedingt heiligmässige Leute.
Wie war es dann zu erklären, dass sie oft fast Wundersames bewirkten?
Ist Frau Pigné magnetisch?
Von einer Beobachtung berichtet das Journal du Magnétisme, und diese Beobachtung ist so besonders, dass sie sogar das Journal als ,fort singulaire' bezeichnet - sehr assergewöhnlich also.
Eine junge Frau mit dem Namen Pigné legt ihre Hände auf ein Schere. Innerhalb weniger Sekunden beginnt sich die Schere zu drehen.
Warum sich Frauen besser hypnotisieren lassen als Männer: Alphons Teste klärt auf
Alphons Teste schreibt:
"Im Allgemeinen sprechen Frauen unvergleichlich besser auf hypnotische Einflüsse an als Männer. Dem kann man ohne Weiteres zustimmen, wenn man annimmt - was gewiss wahr ist -, dass die hypnotische Beeinflussung eine negative Qualität ist, welche die Tendenz hat, die Seele und den Geist passiv und einer äusseren Kraft unterwürfig zu machen. Alles, was die Frauen betrifft, scheint sie ganz natürlich in diese Abhängigkeit zu führen, die bei den meisten Frauen eine hervorstechende Eigenschaft ihres Körpers und ihrer Gewohnheit, darstellt. So gut wie alle von ihnen fühlen die Notwendigkeit, sich dieser Abhängigkeit zu unterwerfen ... Zu dominieren würde (mit ein paar wenigen Ausnahmen, die dann aber Anomalien gleichen) ihre Kräfte übersteigen."
So sagt Alphonse Teste auf der Seite 37 in seinem 1843 ins Englische übersetztem Buch.
Das Buch trägt den etwas schwerfälligen Titel:
'Practical Manual of Animal Magnetism: containing an Exposition of the Method Employed in Producing Magnetic Phenomena; with its Application of the Treatment and Cure of Desases.
archive.org Z 20. 8. 2026
Frauen sollten sich von Frauen hypnotisieren lassen, sagt Deleuze
Dafür bringt er verschiedene Gründe vor.
Wenn ein Hypnotiseur eine Frau hypnotisiert, sitzt er ihr nahe gegenüber- zu nahe. Und das ist unschicklich.
Es gibt Dinge, die hypnotisierte Frauen lieber einer Frau als einem Mann anvertrauen. Und umgekehrt: Es gibt Fragen, die ein Hypnotiseur einer Frau nicht stellen darf. Denn auch das wäre unnschicklich.
Und:
Es kann vorkommen, dass eine hypnotisierte Person während der Hypnose eine ausgeprägte Zuneigung zu der Person entwickelt, die sie hypnotisiert hat. Und diese Zuneigung hält oft auch dann an, wenn sich die hypnotisierte Frau längst schon wieder im normalen Wachzustand befindet.
Das ist unerwünscht.
Und unerwünscht ist auch dies:
Hypnotische Zustände wurden seinerzeit auch herbeigeführt, indem die Patientinnen und Patienten mit den Händen des Hypnotiseurs berührt wurden.
Der Wissenschafter Kluge ist da zurückhaltend.
Solche Berührungen sollten Hypnotiseure vermeiden - vor allem dann, wenn sie in der Brustgegend von Frauen durchzuführen wären.
Denn dies könnte seitens der Hypnotiseure zu einer ,Abstraktion der Gedanken' führen, wie Kluge dies formuliert.
Nach Deleuze.
Vergessene Bücher: Interessantes zur Parapsychologie, zur Esoterik und zur Hypnose
Frauen sollten Hypnotiseurinnen werden, sagt Gregory
Das ist die Meinung von Gregory.
Er findet, dass Fraien über ein grosses Einfühlungsvermögen verfügen - grösser als das der Männer.
Braucht man in der Hypnose keine Brille?
Diese Frage kann hier nicht abschliessend beantwortet werden ... Hingegen sei auf eine Beobachtung aus früheren Jahren hingewiesen.
Die Frau hatte die Augen verbunden. Man hielt ihr ein Buch hin - auch mit verbundenen Augen konnte sie im Buch lesen.
Irgendwie hatte man dabei ein ungutes Gefühl. Mit dem Verbinden der Augen hatte es nicht so recht geklappt, und so bestand die Möglichkeit, dass die Frau im hypnotischen Zustand an dem Verband um ihre Augen vorbei ganz einfach das gelesen hatte, was sie mit ihren Augen doch noch zu sehen vermochte.
Due Frau wurde in den alltäglichen Wachzustand zurückversetzt. Man legte ihr eine Text vor, den sie lesen sollte. Doch daraus wurde nichts. Die Frau sagte, dass sie ohne ihre Brille nicht in der Lage sei, Texte zu lesen.
Die Frau setzte sich die Brille auf, und es klappte mit dem Lesen.
Das gleiche Phänomen zeigte sich auch bei Näharbeiten. Wenn die Frau im Normalzustand Näharbeiten vornehmen wollte, gelang ihr dies, wenn überhaupt, nur dann, wenn sie eine Brille trug. Im hypnotischen Zustand war ihr dies problemlos möglich - ohne Brille.
Die Leute, die beim Experiment dabei waren, vermochten sich problemlos davon überzeugen, dass die Frau eine ausgeprägte Sehschwäche hatte: Diese Leute konnten, als sie sich die Brille selber aufsetzten, überhaupt nicht mehr lesen - für Normalsichtige war die Brille so stark, dass sie ein Lesen verunmöglichte.
Aus: Journal du magnétisme 1858 351
Halluzinationen - wirklich nur Hirngepinste?
Es kommt immer wieder vor, dass den Leuten verstorbene Personen erscheinen.
Üblicherweise erklärt man sich dies mit Halluzinationen. Man sagt, dass in der Außenwelt nichts war - was die Leute zu sehen glaubten, war eine Vorstellung, die lediglich in ihrem Kopf entstanden war.
Interessant sind in diesem Zusammenhang Berichte von Leuten, die daran zweifeln lassen, ob es sich wirklich nur um Vorstellungen im Kopf einer Person handelt.
Zum Beispiel dies:
Zwei Personen sehen unabhängig voneinander eine verstorbene Person ...
Die verstorbene Großmutter erscheint einer Frau. Die Grossmutter tritt ans Bett, in dem sich die Frau befindet.
Später kommt die Magd zur der Frau ins Schlafzimmer. Sie ist ausser sich: Sie hat im Vorzimmer zum Schlafzimmer die Großmutter gesehen: Sie sass auf einer Bank in diesem Vorzimmer.
Magikon 2 1852.
Z 22 6 2025
... oder einen Löwen
Oder zum Beispiel dieses Erlebnis einer Person.
Als die Person ein Kind war, schlief sie im gleichen Zimmer wie ihr Bruder.
Eines Nachts erwachte die Person und sah einen Löwen.
Dieser Löwe lag vor dem Bett der Person. Er bewegte sich nicht und nach einiger Zeit war er verschwunden.
Über viele Jahre hinweg verschwieg die Person dieses Erlebnis.
Dann endlich erzählte sie es dem Bruder, der im gleichen Zimmer geschlafen hatte.
Der Bruder sagte zu dieser Löwen-Beobachtung lediglich:
,Du hast ihm also auch gesehen?'
Private Mitteilung
... oder den verstorbenen Chef
Oder der Bericht über einen Chef, der soeben verstorben ist.
Nach seinem Tod erscheint er mehreren Mitarbeitern der Fabrik - diese wissen jedoch noch nicht, dass er verstorben ist.
Sie wissen lediglich, dass es ihm gesundheitlich schlecht geht - und freuen sich darüber, dass er sich von seiner Krankheit erholt hat und durch die Fabrikhalle schreiten kann.
Weil der Vater es sagte: Wenn Halluzinationen entstehen
Das Mädchen sah Flammen um den Stuhl herum. Sie waren leuchtender als
Nachher ein préscipice a ses pied.
Man wollte vom Mädchen wissen, ob es Angst gehabt habe.
"Nein", sagte das Mädchen, "Nein. Ich wusste, dass keine Gefahr bestand. Ich wusstse, dass ich mich im Salon befand, und ich wusste, dass ich dies alles nur sah, weil Gerr de Verdun es mir gesagt hat."
Journal du Magnétisme, 1852, S. 206
Heilen, wo der Arzt nicht heilen kann
Im 19. Jahrhundert waren sich manche Gelehrte sicher, dass von den Menschen Kräfte ausgehen, mit denen sie anderen Menschen helfen können.
Und zwar auch dort helfen können, wo die Ärzte nicht mehr weiter wissen.
In alten Büchern und Zeitschriften finden sich denn auch viele Berichte, in denen solche Heilungen geschildert werden:
Patientinnen und Patienten sind krank - so krank, dass die ärztliche Kunst versagt. Hilfe finden sie dann aber durch einen Menschen, der mit seinen Kräften auf sie einwirkt und sie in oft verblüffend kurzer Zeit heilt.
Wo werden diese heilenden Kräfte wirksam?
Ein Professor hat dies seinerzeit so dargestellt:
(1)
Mit den Kräften kann man lindern - man kann die Auswirkungen einer Krankeit beseitigen und dafür sorgen, dass es den kranken Leuten besser geht.
(2)
Schmerzen verhindern: Hier geht es darum, künftige Schmerzen zu vermeiden - in diesen Bereich gehören jene Einwirkungen, die zu einer schmerzfreien Operation führen.
(3)
Selbstmedikation: Die Kräfte werden so eingesetzt, dass die kranken Leute selber herausfinden, wie sie gesund werden können.
Due Patienten und Patientinnen können in diesem Falle dem Arzt sagen, was dieser tun muss, damit sie gesund werden.
Ethisch fragwürdiges Vorgehen
Wenn man in alten Büchern blättert, stößt man immer wieder auf Dinge, die aus heutiger Sicht ethisch fragwürdig sind.
Hier einige Beispiele
I
Bewusst Schmerzen herbeiführen: Brandwunden
Der Wissenschafter Binet erwähnt, dass Charcot, der damalige Starpsychiater, bei einer Patientin Brandwunden suggerierte.
Damit wird auf ein Vorgehen verwiesen, das wir in dieser Form heutzutage ganz bestimmt nicht mehr tolerieren würden.
Denn es ist ein Vorgehen, das für die beteiligte Person höchst unangenehm ist.
Brandwunden sind auch dann Brandwunden, wenn sie suggeriert worden sind. Sie schmerzen wie andere Brandwunden auch - und sie schmerzen heftig und oft ziemlich lange.
II
Schmerzen in Kauf nehmen: Sensibilitätskontrollen
Hypnotiseure kontrollierten jeweils, wie es um die Sensibilität der hypnotisierten Leute stand: Nahmen sie Reize aus der Umwelt wahr? Waren sie schmerz-unempfindlich?
Überprüft wurde dies oft auf eine rabiate Art und Weise: Die Hypnotiseure ließen die Leute Amoniak einatmen. Oder mit Amoniak versetzte Flüssigkeiten trinken. Oder man kniff die Leute, um die Schmerzenpfindlichkeit zu überprüfen - oft kniff man so fest, dass Blut hervortrat.
Häufig stellten die Hypnotiseure fest, dass die Leute nicht auf diese Reize reagierten und keine unangenehmen Empfindungen verspürten.
Die Empfindungen kamen jedoch später. Die Leute hatten Halsweh, weil sie mit Amoniak versetztes Wasser zu sich genommen hatten. Und die Stellen am Körper, wo sie bis auf Blut gekniffen worden waren, schmerzten.
Das menschliche Nadelkissen
Der Arzt Esdaile hatte es sich angewöhnt, zu seinen Operationen Beobachter einzuladen.
Bei dem Patienten, von dem hier die Rede ist, waren es mehrere Dutzend Ärzte, die dem Wirken Esdailes zuschauten.
Diese Ärzte schauten nicht nur zu; sie untersuchten auch den Patienten. Sie wollten wissen, wie es um seine Sensibilität stand. Dabei behalfen sie sich mit Nadeln.
Es war nicht ganz einfach, den Patienten aus der Hypnose hervorzuholen. Es gelang dann aber doch - nur klagte der Patient über Schmerzen.
Es waren nicht Schmerzen gewesen, die als Folge der Operation auftraten. Es waren Schmerzen von den zahlreichen Nadelstichen, mit denen die Ärzte die Sensibilität des Patienten untersucht hatten.
Der Patient sei ihm wie ein menschliches Nadelkissen vorgekommen, stellt Esdaile fest.
Und er fasste einen Entschluss:
Künftig würden die Ärzte alle Nadeln abgeben müssen, bevor sie Esdaile bei seiner Arbeit beobachten durften.
III
Unangenehme Ermpfindungem suggerieren
Zu diesen unangenehmen Empfindungen gehört Übelkeit
"Bei der Suggestion von Unwohlsein erbricht sie in wenigen Augenblicken - ohne jede Hilfe - den Inhalt ihres Magens."
Jendrássik, 1888, S. 321
In diesen Bereich gehören auch Suggestionen, bei der der Patientin vorgegeben wird, dass es sich bei dem Wasser, das sie zu trinken bekommt, um Essig handle.
Oder bei denen den Leuten suggeriert wird, eine Schlange befinde sich im Raum.
Erschreckend ist das Vorgehen eines Hypnotiseurs, der Folgendes berichtet:
Der Hypnotiseur gab der Patientin Kohlenstücke zum Essen und sagte ihr, dass es sich um Kuchen handelte.
Die Patientin rauchte eine Zigarre und glaubte, ein Karamel zu lutschen.
Ein magnetisierter Stuhl wurde auf einem Tisch platziert; die Patientin setzte sich auf ihn. Sie wollte aus dem Zimmer fliehen, doch die Türen waren magnetisiert und sie konnte sie nicht öffnen.
Der Hypnotiseur berührte berührte den Hals der Frau und sagte ihr, dass ihr Kopf abgeschnitten worden sei. Sie stiess einen Schreckensschrei aus - sie glaubte ihren abgeschlagenen Kopf auf dem Tisch liegen zu sehen und fühlte, wie ihr Blut aus dem Körper wich.
Comte de Choiseul in Journal du magnetism 1857 247 - 252 journal_du_magnétisme-v16_1857.pdf
Übrigens:
Der Comte bedankt sich bei der Person, die ihn auf die Möglichkeiten der Suggestion aufmerksam gemacht hat. Der Comte hat diese Möglichkeiten ausgelotet, und er hat die Zeit, zu der er dies tat, sehr genossen...
IV
Patientinnen lächerlich machen - posthypnotische Suggestionen
Da suggerierte man den Patientinnen, Dinge zu tun, die für sie unangenehm und peinlich waren und sie zuweilen auch der Lächerlichkeit preisgaben.
Man gab einer Patientin zum Beispiel die posthypnotische Suggestion, sich mit einem Blumenstrauss zu einer bestimmten Zeit beim Arzt vor dessen Privatwohnung einzufinden, dort zu läuten und den Blumenstrauß zu überreichen.
Die Patientin tat dies, und das war ihr ausgesprochen peinlich: Sie wusste nicht, dass ihr in der Hypnose dieser Auftrag gegeben worden war.
Deshalb stand sie vor der Türe und suchte verzweifelt nach einer Erklärung dafür, warum sie vor der Türe stand.
V
Hypnose: Auftrag zum Mord?
Immer wieder diskutiert wurde die Frage, ob man eine Person in der Hypnose dazu bringen kann, etwas zu tun, das sie eigentlich gar nicht tun will - kann man eine Person dazu überreden, gegen ihren Willen in der Hypnose beispielsweise einen Mord zu begehen?
Einige Beobachtungen, die in diesem Zusammenhang gemacht wurden.
Direkte Ansätze
Da ist zum Beispiel eine kurze Bemerkung eines Autors:
"Suggestion, Dr X. posthypnotisch zu ermorden. Man gibt der Patientin ein gerolltes Papier und suggeriert es als Dolch. Erwacht schleicht sie sich hinter Dr. X. und sticht mit der Rolle wütend nach ihm."
Krafft-Ebing, 1889, zweite Auflage, S. 25
Albert Moll, 1890, S. 286, äussert sich ebenfalls zu dieser Frage. Er weist zuerst darauf hin, dass die Gelehrten unterschiedlicher Meinung sind: Einige gehen davon aus, dass Verbrechen in Hypnose möglich sind, andere halten dies für undenkbar. Allerdings, so fährt Moll fort, hat ein Autor mit dem Namen Liégeois diesbezügliche Untersuchungen
"mit allen äusseren Anzeichen des Ernstes, selbst mit Beteiligung von Gerichtsbeamten, angestellt" - und bestätigt gefunden, dass die Leute tatsächlich bereit sind, auf eine entsprechende Suggestion hin tätlich zu werden.
Indirekte Ansätze
Bei den wrwähnten Beispielen handelt es sich um direkte Aufträge.
Es gibt aber eine andere Form der Suggestionen. Bei ihnen fordert man die Person nicht direkt auf, etwas zu tun. Man kreiert stattdessen eine Situation, in der sich die Persönlichkeit selbst dazu entschließt, das gewünschte Verhalten zu zeigen.
Ein Beispiel:
Man suggeriert einer Person nicht direkt, dass sie dem Kollegen X ein Buch stehlen soll.
Aber man suggeriert ihr, dass der Kollege X schon lange von der Person ein Buch erhalten hat. Dieser Kollege aber, so suggeriert man weiter, weigert sich standhaft, das Buch herauszurücken.
Macht sich in diesem Fall die Person zum Kollegen auf und entwendet ihm dieses Buch, hat man die Person dazu gebracht, eine strafbare Handlung zu begehen ...
V
Kindsentführung?
Schon Esdaile stellte es fest:
Es war ihm möglich, Menschen in Hypnose zu versetzen. In diesem hypnotischen Zustand marschierten die Menschen an einen Ort und in eine Richtung, die der Hypnotiseur vorgab - scheinbar willenlos und ohne dass sie sich dessen bewusst waren.
Esdaile arbeitete im Indien, und dort gab es das Gerücht, dass auf diese Weise Kinder entführt wurden.
Mehr dazu:
Dass solche Entführungen tatsächlich möglich waren, beeindruckte Esdaile.
Die ethische Seite der Hypnose wurde ihm bewusst. Er sagt denn auch, dass die Hypnose sowohl Gutes als auch Böses bewirken kann.
Esdaile war im Übrigen der Ansicht, dass das heilende Potential der Hypnose ein Geschenk der Natur darstellt.
Ein Geschenk, das die Natur jenen Menschen zukommen lässt, die Hilfe brauchen.
Esdaile setzte die Hypnose denn auch bei kranken Leuten ein. - und dies immer mit dem Zweck, diesen Leuten zu helfen.
Gesunde Menschen hypnotisierte er nicht. Veranstaltungen, bei denen allerlei Kunststücke in Hypnose demonstriert wurden, waren ihm zuwider.
Esdaile, 1846, S. 103
Zum Buch von Esdaile hier
VI
Falsche Erinnerungen
Dass man den Leuten in Hypnose falsche Erinnerungen einpflanzen kann, war bereits im Goldenen Zeitalter der Hypnose bekannt.
Auch dies kann in einer ethische fragwürdigen Art und Weise geschehen. Problematisch wird es dann, wenn belastende Erinnerungen eingepflanzt werden - etwa dann, wenn man einer Frau suggeriert, dass sie von einem Mann belästigt oder gar missbraucht worden sei.
VI
VlI
Über Macht und Ohnmacht in der Hypnose - und das Rollenbild der Hypnotiseure
Hypnotiseure der damaligen Zeit arbeiteten aus einer Machtposition heraus. Aus ihrer Sicht konnten sie den Leuten suggerieren, was sie wollten und sie konnten ihnen auch ihren Willen aufzwingen. Sie konnten sie wie ein Hund bellen lassen. Oder sie konnten sie zum Erbrechen bringen. Oder Brandwunden suggerieren ...
Aus manchen Schilderungen bekommt man diesen Eindruck: Wenn die Hypnotiseure eine Person hypnotisierten, demonstrierten sie zuerst einmal, dass sie die Oberhand hatten und in der Lage waren, der hypnotisierten Person ihren Willen aufzuzwingen.
Häufig geschah dies, indem sie die Personen veranlassten, unangenehme oder herabwürdigende Dinge zu tun - Dinge, die vollkommen überflüssig waren und die den hypnotisierten Personen in keiner Art und Weise halfen.
Blickt man aus der heutigen Sicht auf die Goldene Zeit der Hypnose zurück, muss man es leider sagen:
Das war dumm.
Denn diese Machtspiele schadeten der Hypnose. Sie stand bei vielen Leuten - nicht ganz zu Unrecht - im Ruf, eine Methode zu sein, bei der man sich in die Hände eines Hypnotiseurs begab, der dann halt eben mit einem machte, was er wollte.
Das Goldene Zeitalter der Hypnose
Die Hall'sche Richtschnur für Hypnotiseure
Spencer Hall hat am Schluss seines Buches ein mahnendes Wort an die Hypnotiseure geschrieben.
Er hat sich dabei ausgesprochen kompliziert ausgedrückt.
Man kann seine Ausführungen jedoch zusammenfassen:
Wer hynotisiert, so Hall, sollte sich immer eine Frage stellen.
Nämlich diese:
Wenn ich hypnotisiert würde - möchte ich so behandelt werden wie ich die Leute behandle, die ich hypnotisiere?
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