Rätsel Hypnose: unerklärliche  Fähigkeiten

 

Den Wissenschaftern im 19. Jahrhundert fiel dies auf:

Das Phänomen ,Hypnose' ist mit unerklärlichen Fähigkeiten verbunden - und dies in zweierlei Hinsicht:

 

1

Menschen in Hypnose können Dinge tun, die unerklärlich sind. Sie können zum Beispiel durch Wände sehen.

 

2

Hypnotiseure können Menschen in einer Art und Weise beeinflussen, die unerklärlich ist - Hypnotiseure können zum Beispiel bei Menschen Brandwunden entstehen lassen.

 

I

Unerklärliche Fähigkeiten in  der Hypnose

Menschen können mit verbundenen Augen lesen

Menschen können durch Wände sehen

Menschen können mit ihren Fingern oder mit ihrem Bauch sehen

Menschen können in die Zukunft schauen. 

Menschen können Geschehnisse erleben, die vor vielen Jahrhunderten stattgefunden haben.

Menschen können in ihren Körper schauen.

Menschen können Tische bewegen, ohne dass sie diese berühren

 

Diese Fähigkeiten erscheinen fast unglaublich. Doch sie sind vor allem im 19. Jahrhundert von Wissenschaftern untersucht und dokumentiert worden.

 

 

II

Was Hypnotiseure können

Hypnotiseure können Menschen Dinge einreden, die gar nicht zutreffen - sie können ihnen zum Beispiel einreden, dass sie Wein trinken, obwohl sie bloss Wasser zu sich nehmen.

Hypnotiseure können bei einem Menschen Brandwunden entstehen lassen.

Sie können bewirken, dass Menschen Dinge sehen, die gar nicht vorhanden sind.

Hypnotiseure können erreichen, dass Menschen während einer Operation keine Schmerzen empfinden.

Hypnotiseure können Krankheiten heilen

Hypnotiseure können Menschen dazu bringen, Aufträge auszuführen - und zwar Aufträge, von denen die Menschen nicht wissen, dass sie ihnen erteilt worden sind.

 

Einige der Dinge, die Hypnotiseure können, sind - wie etwa das Entstehenlassen von Brandwunden - höchst unethisch.

Im 19. Jahrhundert nahmen manche Hypnotiseure darauf jedoch doch keine Rücksicht.

 

 

Was bei Hypnotiseuren fast unerklärlich ist:

 

James Esdaile und die Schmerzbekämpfung

Janes Esdaile hat in Indien Menschen operiert, die sich in einem hypnotischen Zustand befanden. In diesem Zustand konnten sie operiert werden, ohne dass sie dabei Schmerzen empfanden.

Das geschah 1845.

Damals waren diese schnerzfreien Operationen für manche Ärzte absolut unerklärlich. Denn manche Ärzte waren davon überzeugt: Operationen ohne Schmerzen sind ein Ding der Unmöglichkeit. 

Auch Esdaile tat sich schwer mit der Einsicht, dass schmerzfreie Operationen möglich sind. Aber er war ein Mann, der sich strikt an den Fakten orientierte, und diese Fakten liessen ihm keine andere Wahl: Sie zwangen ihn, wie er selbst sagte, zur Einsicht, dass Operationen in einem schmerzfreien Zustand gelingen können.

Wie aber führte Esdaile diesen schmerzfreien Zustand herbei?

Dazu muss man zuerst feststellen: Es war häufig gar nicht Esdaile, der den schmerzfreien Zustand bei seinem Kranken herbeiführte. Esdaile war gesundheitlich angeschlagen und kam deshalb auf die Idee, andere Leute zu engagieren, die bei den Kranken den schmerzfreien Zustand herbeiführen mussten.

Diese Leute waren Laien, und das scheinbar Erstaunliche ist dies: Diese Laien konnten innerhalb weniger Tage so geschult werden, dass sie bei Kranken schmerzfreie Zustände herbeizuführen vermochten.

Es ist allerdings nur scheinbar erstaunlich. Denn wenn man sich anschaut, mit welchen Mitteln diese Leute den schmerzfreien Zustand herbeiführten, kann man sich die kurze Unterweisungszeit der Laien durchaus erklären.

Denn von Aussen betrachtet, war das, was die Laien taten, einigermassen simpel.

Sie führten streichende Bewegungen dem Körper der Kranken entlang aus und sie übten mit ihren Händen auf bestimmte Körperteile der Kranken einen Druck aus.

Das sieht nicht sehr eindrücklich aus - eindrücklich ist vielmehr die Zeit, die die Laien aufwenden mussten. Zwar trat bei einigen einigen der Kranken der schmerzfreie Zustand innert weniger Minuten ein. Üblicherweise brauchte es aber dafür eine Stunde oder mehr.

Das aber ist dann eine herausfordernde Tätigkeit. Ersichtlich wird dies, wenn man sich die äusseren Umstände vor Augen führte: Die Laien fühten ihre  ausserordentlich langerilige Aufgabe in einem abgedunkelten Raum und unter klimatisch schwierigen Umständen durch: In Indien konnte es sehr warm werden.

Definitiv erstaunlich aber ist die Tatsache, dass die von Aussen her so simplen Massnahmen eine umfassende Schmerzfreiheit ermöglichten - obwohl einige Elemente fehlten, die wir heute mit der Hypnose verbinden.

 

 

 

Unerklärliches heute

Wir werfen einen Blick in Bücher zur Hypnose, die im 19. Jahrhundert entstanden sind.

 Unerklärliche Phänomene in Hypnose sind auch heute zu beobachten.

Das zeigt Georg Rieder.

Georg Rieder experimentierte mit der Hypnose und stellte dann fest: Er kann durch Wände sehen.

Das nutzte er vorerst aus, um durch die Wände der Nachbarswohnung zu sehen.

Später fand er ein weit sinnvollere Einsatzgebiet für seine Fähigkeit:

Er tat sich mit einem Arzt zusammen und unterstützte diesen bei seiner Arbeit.

Er schaute in die Körper kranker Menschen.

Dadurch konnte er dem Arzt Hinweise auf die Krankheiten geben, unter denen die Patienten und Patientinnen litten. 

Die Hinweise waren verblüffend korrekt.

Eine Erklärung für die Fähigkeit von Georg Rieder gibt es allerdings nicht.

 

Doch zuück ins 19. Jahrhundert.

Dort erfreute sich eine Fähigkeit besonderer Aufmerksamkeit: Menschen konnten Tische zum Tanzen bringen.

 

DEN WILLEN AUFZWINGEN

Manche Hypnotiseure der damaligen Zeit waren überzeugt: 

Als Hypnotiseur kann man mit hypnotisierten Personen eine enge Verbindung eingehen.

Liegt diese enge Verbindung vor, kann man die hypnotisierte Person dazu bringen, das zu tun, was man von ihr will - und zwar nicht, indem man sie mit Worten dazu bringt.

Es genügt, wenn man sich denkt, dass die hypnotisierte Person diese oder jene Tätigkeit ausführen soll.

Manche Hypnotiseure stellten sich vor, dass eine spezielle Kraft dahinter steht.

 

 

Von einem Prisma und von einem sehr merkwürdigen Phänomen

Ein Prima ist ein dreieckiger Stab aus Glas.

Wenn Sie dies wollen, können Sie den Glasstab auf den Tisch stellen.

Dann können Sie einen Gegenstand hinter dem Prisma platzieren.

Wenn Sie jetzt durch das Prisma den Gegenstand anschauen, erleben Sie eine Überraschung: Sie sehen den Gegenstand doppelt - irgendwelche optischen Gesetze, auf die wir hier nicht näher eingehen, führen zu dieser Verdoppelung.

Doch jetzt zum Experiment, von dem ich berichten möchte. 

Ein Wissenschafter hypnotisiert eine Versuchsperson.

Der Wissenschafter bringt die Versuchsperson dazu, dass sie Dinge halluziniert.

Was bedeutet:

Die Versuchsperson sieht Gegenstände, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt und die nur in ihrem Kopf  existieren.

Gerade jetzt halluziniert die Versuchsperson einen Gegenstand, der sich auf dem Tisch befindet.

Der Versuchsleiter nimmt das Prisma und stellt es zwischen die Versuchsperson und den halluzinierten Gegenstand.

Die Versuchsperson erschrickt:

Sie sieht den halluzinierten Gegenstand doppelt.

 

Wie kann man sich dies erklären?

Der Wissenschafter, der dieses  Experiment vorstellt, bietet eine Erklärung. Die Erklärung ist für meinen Geschmack etwas vage ausgefallen. Sie geht aber in folgende Richtung:

 

 

Besser sehen in Hypnose?

Diese Frage kann hier nicht abschliessend beantwortet werden ... Hingegen sei auf eine Beobachtung aus früheren Jahren hingewiesen.

Die Frau hatte die Augen verbunden. Man hielt ihr ein Buch hin - auch mit verbundenen Augen konnte sie im Buch lesen.

Irgendwie hatte man dabei ein ungutes Gefühl. Mit dem Verbinden der Augen hatte es nicht so recht geklappt, und so bestand die Möglichkeit, dass die Frau im hypnotischen Zustand an dem Verband um ihre Augen vorbei ganz einfach das gelesen hatte, was sie mit ihren Augen doch noch zu sehen vermochte.

Due Frau wurde in den alltäglichen Wachzustand zurückversetzt. Man legte ihr eine Text vor, den sie  lesen sollte. Doch daraus wurde nichts. Die Frau sagte, dass sie ohne ihre Brille nicht in der Lage sei, Texte zu lesen.

Die Frau setzte sich die Brille auf, und es klappte mit dem Lesen. 

Das gleiche Phänomen zeigte sich auch bei Näharbeiten. Wenn die Frau im Normalzustand Näharbeiten vornehmen wollte, gelang ihr dies, wenn überhaupt, nur dann, wenn sie eine Brille trug. Im hypnotischen Zustand war ihr dies problemlos  möglich - ohne Brille.

Die Leute, die beim Experiment dabei waren, vermochten sich problemlos davon überzeugen, dass die Frau eine ausgeprägte Sehschwäche hatte: Diese Leute konnten, als sie sich die Brille selber aufsetzten, überhaupt nicht mehr lesen  - für Normalsichtige war die Brille so stark, dass sie ein Lesen verunmöglichte.

Aus: Journal du magnétisme 1858 351

 

Keine Fähigkeit aber hat mehr Aufmerksamheit als diese:

 

 

Ungeahnte Fähigkeiten: Wenn man Tische zum Tanzen bringt - das Tischerücken

 

Unheimlich: Tische tanzen

Es war damals in Mode: Einige Personen setzten sich an einen Tisch, legten ihre Hände auf den Tisch und stellten dann fest, dass sich der Tisch in die eine oder andere Richtung bewegte.

Das war vorderhand sehr rätselhaft. Manche glaubten, dass höhere Mächte im Spiel seien. Andere sagten, dass dies alles Humbug sei.

 

Michael Faraday macht einen Lösungsvorschlag

Dann aber wartete der berühmte Wissenschafter Michael Faraday mit einer Erklärung auf:

Die Hände der Leute, die den Tisch berühren, führen unbewusst kleine Bewegungen aus, und diese unbewussten kleinen  Bewegungen bewirken, dass sich der Tisch bewegt.

Das tönte plausibel.

Es tönte so plausibel, dass das Phänomen des Tischerückens abgehakt wurde.

Es wurde zu einem auf den ersten Blick merkwürdigen, aber auch zu einem mit einer solider Physik durchaus erklärbarem Geschehen.

Höhere Mächte waren keineswegs im Spiel. Und hinter dem Tischerücken stand auch keine mysteriöse Kraft.

 

Blickt man auf die Zeit zurück, zu der Faraday seine Erklärung für das Tischrücken vorlegte, wird allerdings ein Punkt deutlich: 

So einfach ist die Sache nicht.

Denn es gibt Dinge, die sich mit der Erklärung von Faraday nur sehr schlecht erklären lassen 

Das zeigt ebenfalls ein Blick in die Bücher, die damals geschrieben wurden

 

Tischbewegungen, wenn der Tisch nicht berührt wird

Texte in alten Büchern machen es klar:

Das Tischerücken taucht auch dann auf, wenn die Leute den Tisch nicht berühren.

Da gab es zum Beispiel Versuche, die nachwiesen, "dass die Bewegung auch dann eintrat, wenn man die Zipfel eines über den Tisch gebreiteten Tuches oder auch die Endstücke von Schnüren anfasste, die  l o s e  herabhängend an der Tischplatte befestigt waren." (Prel, S. 169)    

Oder es gab folgenden Versuch: 

"Nachdem ein Comité von elf Personen rings um den Speisetisch gesessen hatte und verschiedene Bewegungen und Tön erfolgt waren, wurden die Stühle mit ihren Rücklehnen gegen den Tisch gekehrt, ungefähr neun Zoll von demselben entfernt. Alle Anwesenden knieten hierauf auf ihre Stühle und legten ihre Arme auf die Rücklehne derselben. In dieser Stellung waren die Füsse selbstverständlich vom Tisch abgekehrt und konnten unmöglich unter ihn gesetzt werden, noch den Fussboden berühren. Die Hände wurden über dem Tische ungefähr vier Zoll von dessen Oberfläche entfernt gehalten.

In dieser Stellung war eine Berührung mit irgend einem Theile des Tisches physikalisch unmöglich.

In weniger als einer Minute bewegte sich der gänzlich unberührte Tisch viermal; zuerst ungefähr fünf Zoll nach einer Seite, hierauf ungefähr vier Zoll und zuletzt sechs Zoll. 

Eine Überprüfung nachher ergab, dass der Tisch, der in seine Einzelteile zerlegt worden war,  keine Auffälligkeiten aufwies."

Bemerkenswert ist, dass die Versuche "bei vollem Gaslicht über dem Tische" ausgeführt wurden.

Das führt zu folgendem Fazit:

"Es war keine Täuschung möglich. Die Bewegungen fanden von einer Stelle zu einer anderen im Zimmer statt und wurden gleichzeitig von allen Anwesenden beobachtet. Sie waren als Thatsachen der Messung, und nicht der blossen Meinung der Einbildung unterworfen."   

Bericht des Sub-Comités d. Dialekt. Gesellschaft von London, in Psychische Studien, 1. Jahrgang, 4. Heft (April 1874)

Aber auch sonst gibt es Phänomene beim Tischerücken, die nur schwierig zu erklären sind.

Da ist zum Beispiel eine Beobachtung, die die  Himmelsrichtungen betrifft.

 

Was hat dies alles mit dem Norden zu tun?

"Um einen Tisch herum bildeten sieben oder acht Personen eine Kette. Sie spreizten ihre Hände so, dass ihr rechter  kleiner Finger den linken kleinen Finger des Nachbarn berührte. 

Nachdem einige Zeit vergangen war - sie schwankte zwischen einer Viertelstunde und eineinhalb Stunden - bewegte sich der Tisch mit einer brüsken Bewegung nach Norden."

Journal du Magnétisme, Brief von Aug. Gathy an Monsiur Herbert, 1853, S. 184.

 

Und auch an ein anderer Stelle geht es um den Norden:

So ist es vorgekommen, dass der Tisch die Kette der um ihn herum platzierten Leute verlassen hat - worauf er dann gegen eine Wand prallte.

Gegen eine nördlich liegende Wand.

Journal du Magnétisme 1853, S. 206

 

Menschen statt Tische - wo setzen die Fingerbewegungen an?

In der Regel wurde versucht, Tische in Bewegung zu setzen; in einem Fall wurde das Gleiche mit einem Hut zu machen versucht - wobei auch dieser sich bewegte. Und es gelang auch mit einer Vase (S. 209).

Was aber passiert, wenn man nicht einen Tisch in Bewegung zu setzen versucht, sondern einen Menschen?

Drei Mal und drei Mal mit verschiedenen Personen ist dies geschehen, schreibt ein Autor:

'Ich füge noch bei, und ich garantiere für die Richtigkeit. Drei Mal ist es mit drei verschiedenen Personen durchgeführt worden: Eine Person wurde  anstelle eines Tisches ins Zentrum der Menschenkette platziert. Die Leute in der Kette hielten ihre Hände in der üblichen Art und Weise. 

Die Person in der Kette und rehte sich unwillkürlich und wie eine Maschine (machinalement) um sich.

Journal du Magnétisme, 1853, S. 207, Dr. E. Eissen   Z  21 7 2026

 

Können Fingerbewegungen dermassen kraftvoll sein?

Eine Beobachtung irritiert:

Die Tische bewegen sich oft dermassen intensiv, dass nur schwer vorstellbar ist, dass dahinter lediglich die unbewussten Fingerbewegungen der Leute stehen.

So merkt denn auch ein Autor an, dass die Experimente mit den rotierenden Tischen nicht ganz ungefährlich seien: Sockeltische sind in Stücke aufgesplittert worden, und die Stücke sind den Leuten auf die Füsse gefallen.

Journal du Magnétisme, 1853, S. 207    Z 21. 7. 2026

Es ist denn auch dieser Kraftaufwand, der in vielen Beschreibungen erwähnt wird. Dass es sich nicht immer um sanfte Bewegungen handelt, schimmert in vielen Berichten der Beobachter durch.

Als Leser dieser Berichte bekommt man den Eindruck, dass die Tischbewegungen durchaus etwas Kraftvolles und damit oft auch etwas Unheimliches an sich hatten.

 

Ebenfalls viel Kraftaufwand war bei der nächsten Beobachtung im Spiel:

Zwei Männer beschäftigten sich mit einer Vase. Einer von ihnen wollte, dass die Vase während der Rotation ihre Richtung änderte. Das geschsh tatsächlich. Und es geschah schnell. In wenig mehr als 10 Sekunden reagierte die Vase. Hatte sich die Vase vorher von Nord nach Süd bewegt, hielt sie an und bewegte sich in entgegengesetzten Richtung.

Journal du Magnétisme 1853, S. 207, Amédé Latour    Z 21. 7. 2026

 

Die Frage des Kraftaufwandes stellt sich natürlich auch dann, wenn sich der Tisch mit einer "effrayante rapidité" dreht, wie die Beobachter dies festhielten.

Journal du Magnétisme, 1853, S. 212. 

 

Und ähnlich tönt es im Anhang bei Carpenter: Da ist die Rede von einem 'lifting up the leg' bei einem Tisch. Und es wird auch geschilderte, dass der Tisch 'rocked and reeled backwards and forwards"

Und schliesslich wird von einer Tischbewegung gesprochen, die man nur als ,frantic' bezeichnen könne.

In Carpener: Appendix M Diabolic Origin of Table Turning, S. 145.

 

Warum bleiben Tischbewegugen plötzlich aus?

Eine Gruppe von Leuten platziert sich in der üblichen Art und Weise um einen Tisch; jeder der teilnehmenden Leute legt seine Hände so auf den Tisch, wie dies ebenfalls üblich ist.

Nach rund sieben Minuten beginnt sich der Tisch zu drehen.

Ein Mann, der dem Experiment zuschaut, wird gebeten, einen Finger auf die rechte Schulter einer Person zu halten, die am Tisch sitzt.

Sofort hört die Rotation des Tisches auf.

Das Experiment wird auf die verschiedensten Arten wiederholt. Eine Mann berührt als Aussenstehender die Kleidung, den Kopf, den Fuss oder ein wiederholtes Mal die Schultern einer Person, die am Tisch sitzt.

Das Ergebnis ist immer das Gleiche:

In dem Moment, in dem ein Aussenstehender eine der teilnehmenden Personen berührt, hört die Rotation des Tisches auf. Hört dagegen die Berührung auf, nimmt der Tisch seine Bewegung wieder auf.

Journal du Magnétisme 1853,  S. 211  Amédé Latour   Z 21 7 2026

 

 

Ein Wissenschafter spricht eine Warnung aus

 

Dieser Wissenschafter hält zuerst fest, dass er das Tischerücken nicht beurteilen kann. Er hütet sich davor zu sagen, was es mit dem Tischerücken auf sich hat.

Und ganz besonders hütet er sich davor zu sagen, wie es zu diesem Tischerücken kommt: Zu der so leidenschaftlich diskutierten Frage, ob beim Tischerücken überirdische Wesen im Spiel sind, äussert er sich schon gar nicht.

 

Etwas aber ist ihm klar:

Das Tischrücken muss erst genommen werden. Die Wissenschafter müssen es eingehend untersuchen - und zwar mit allen wissenschaftlichen Untersuchungsmethoden, die ihnen zur Verfügung stehen.

Und wenn die Wissenschafter dies nicht tun?

Dann hört das Tischerücken auf, eine Domaine der Wissenschaft zu sein. Und damit wird es auch zum Spielball von Gauklern und Tricksern.

 

Ist das Tischerücken wissenschaftlich untersucht worden?

Nach meinem Eindruck ist dies der Fall gewesen - bis zu jenem Zeitpunkt, zu dem Faraday seinen Erklärungsversuchunterbreitete.

Von da an war das Tischerücken zu einem Thema geworden, das die Wissenschaft nicht mehr interessierte.

Das ist verständlich: Da Faraday nach der allgemeinen Meinung das Tischerücken vollkommen erklärte, gab es für die Wissenschaft keinen Grund mehr, sich mit dem Tischerücken zu beschäftigen.

Warum sollte sie auch?

Wissenschafter sollten sich nicht mit Dingen beschäftigen, die klar sind. Und erst recht sollten sie keine Fragen stellen, deren Antworten bereits feststehen.

 

 

Und heute?

Die Faraday'sche Erklärungslücke bleibt

Interessant ist die Feststellung, die man unter dem Stichwort ,table turning' findet (Encyclopedia.com,  Z. 24. 7. 2026):

,A form of psychic phenomena in which a table rotates, tilts, or rises completely off the ground by the mere contact of the fingertips of an individual or group of individuals. In exceptional cases tables have been known to move or even levitate without direct contact.'

 

Michael Faraday hat für das Phänomen des ,table turnings' in allen seinen Erscheinungen eine physikalische Erklärung angeboten.

Liest man die Ausführung unter encyclopedia.com, findet man das bestätigt, was in den Ausführungen auf dieser Homepage bereits zum Ausdruck kommt: Diese physikalische Erklärung genügt nicht. Denn die Beobachtung, dass sich Tische ohne direkten Kontakt in die Luft erheben, entzieht sich der physikalischen Erklärung von Faraday.

Eine Möglichkeit, auf diese Einsicht zu reagieren, hätte so aussehen können:

Man hätte auf der physikalischen Ebene nach Ansätzen suchen können, die die Erklärungslücke schliessen, die Faraday hinterlassen hat.

Es gibt allerdings berechtigte Zweifel daran, dass dies geschehen ist.

Der Grund dafür liegt bei dem, was man die spiritistische Erklärung nennen könnte: Das so merkwürdige Verhalten der Tische wird damit erklärt, dass hier übernatürliche Wesen ins Geschehen eingreifen.

Wenn man den Artikel in der encyclopedia.com liest, stellt man fest: In einer fast endlosen Reihe von Publikationen wird diese spiritistische Erklärung diskutiert  - wobei die Diskussionen letztlich immer auf die Frage hinauslaufen, ob die spiritistische Erklärung gültig ist oder nicht.

Dagegen ist nicht einzuwenden.

Aber es wäre sinnvoll, auch ab und zu an die Physik zu denken und zu überlegen, ob es für all das auch physikalische Erklärungen gibt ....

 

Es müssen nicht immer Tische sein ... von Autos und Menschen

Es hätten sich, so berichtete eine Zeitung, einige Spitzbuben zusammengetan. Sie hätten sich so um ein Auto herum platziert, wie dies Leute tun, die einen Tisch verrücken wollen. Und sie hätten das getan, was jene Leute tun, die einen Tisch bewegen wollen. 

Und siehe da: Das Auto bewegte sich und wurde nicht zu einem tanzenden Tisch, sondern zu einem tanzenden Auto.

Und bange fragt sich der Autor des Artikels:

Was wird passieren, wenn dieses Beispiel Schule macht und alle Leute damit beginnen, Autos zum Tanzen zu bringen?

Diese Episode erschien in der Zeitschrift ,Journal du Magnétisme' aus dem Jahre 1853, und man hat den Eindruck, dass auch der Redaktor dieser Zeitschrift die Angelegenheit nicht so ganz ernst nahm.

Eine ganz andere Qualität haben dann allerdings Berichte, in denen nicht von einem drehenden Auto, sondern von drehenden Menschen die Rede ist.

Ergänzt wird dies durch einen Bericht, den ich hier leicht gekürzt anfüge und der sich mit der ,Rotation der Menschen' beschäftigt.

Die Rotation der Menschen ist noch leichter herbeizuführen als die Rotation der Tische und der anderer Gegenstände. Sehr ift genügt es, die Hände auf die Schultern jener Person uu legen, die man bewegen will.

Man muss seinen Willen auf die Richtung der Bewegung legen, in der sich die Person drehen soll. Nach kurzer Zeit wurd die Person durch eine innere Kraft gezwungen, ihre Beine in jene Richtung zu bewegen, die man sich erwünscht hat.'

Die Person stellt fest, dass hier eine Macht oder eine Kraft im Spiel ist. Sie näher zu bestimmen gelingt drr Person nicht, fest steht für sie lediglich, dass der Ort, von dem die Kraft ausgeht, nichts mit den Händen zu tun hat, die sich auf die Schultern der Person legen.

 

Natürlich steht dues im Widerspruch zu den Erklärungen von Faraday. Bei ihm geht die Kraft, die die Ztische bewegt, ausschliessluch von den unbräewussten Fingerbewegungen der am Tischerücken Beteiligten aus. 

Wer hat nun recht?

Der Autor bringt einen interessanten Punkt ins Spiel: Tische können nicht reden, Menschen aber schon. Denn Menschen können schildern, wie sie die Situation erlebten, als eine Kraft sie zu Drehbewegungen zwang- und die Schilderungen der Menschen sind wertvoller und sicherer als die physikalischen Apparate, die Faraday eingesetzt hat.

Morin: De la Rotation des Personnes,

Journal du Magnétisme 1853, S.  450 - 453.

(Wobei und nur nebenbei gesagt: Nicht alle Leute stimmten dem Autor zu. Sie waren im Gegenteil überzeugt davon, dass die Schilderung von Leuten eine unzuverlässige Angelegenheit sind - verlassen auf sie kann man sich nicht.)

 

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