Keine Erkenntnis der zeitgenössischen Psychologie
Die Gefahren von Suggestivfragen waren längst bekannt
Keine Suggestivfragen, sagt die moderne Psychologie
In letzter Zeit hat es sich herumgesprochen, dass Suggestiv-Fragen gefährlich sind. Sie können Zeugen beeinflussen und zu falschen Aussagen führen.
Diese Gefahr besteht vor allem bei den Aussagen von Kindern, und so ist es kein Zufall, dass Leute, die Kinder befragen, besonders geschult werden - so sollen Suggestivfragen vermieden werden.
Suggestivfragen: Die Gefahr ist schon längst bekannt
Dass Suggestivfragen gefährlich sind - das ist keine neue Erkenntnis der modernen Psychologie.
Während des Goldenen Zeitalters der Hypnose war dies schon längst bekannt:
Da war ein Prozess geführt worden, und der König war mit dessen Verlauf nicht zufrieden Ein Herr Grattenauer beeilte sich, in diesem Zusammenhang ein Buch zu schreiben.
Das Buch trägt den Titel 'Über den Begriff der Suggestivfragen'.
Das Buch ist im Jahre 1803 erschienen, und es geht in ihm darum zu verhindern, dass die Richter Suggestivfragen stellen.
'Suggestivfragen' sind für Grattenauer Fragen, bei denen die Antwort dem Befragten in den Mund gelegt - und damit also suggeriert - wird.
Grattenauer sagt zum Beispiel, dass folgende Frage nicht zulässig ist:
'War X beim Duell ebenfalls anwesend?'
Korrekt formuliert, muss die Frage lauten:
'Wer war beim Duell anwesend?'
Man sieht daraus:
Mit Suggestionen und Suggestivfragen beschäftigt man sich schon seit langer Zeit. Man wusste, dass sie vor Gericht zu Falschaussagen führen können.
Grattenauer ist im Übrigen auch nicht der erste Autor, der die Begriffe 'Suggestion' und 'Suggestivfragen' verwendet. In seinem Traktat erwähnt Grattenauer einen Autor namens Kleinschrod, und bei ihm tönt es so:
'...denn im allgemeinen ist Suggestion eine Handlung, welche einem Andern gegründeten Anlass gibt, etwas zu sagen, wodurch er, gegen die Wahrheit, etwas bejaht oder verneint.'
Kleinschrod bezieht seine Ausführungen auf Verhandlungen, die vor Gericht geführt werden. Offensichtlich war man sich auch dort schon früh der Gefahren bewusst, die von Suggestivfragen ausgingen.
Früh?
Das Buch von Kleinschrod erschien 1787.
Sogar den Inquisitoren bekannt
Übrigens:
Es gibt Hinweise darauf, dass die Gefahren von Suggestivfragen bereits jenen schrecklichen Mennschen bewusst waren, die im Rahmen der Inquisition ihre Opfer befragten.
Wobei man daran denken muss:
Vermutlich waren sie bekannt. Ob die Inquisitoren sich daran hielten, ist eine andere Frage.
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