OHNE AUGEN SEHEN

 

Es ist dies ein Bereich, der die Wissenschafter im Goldenen Zeitalter der Hypnose sehr beschäftigte: die merkwürdigen Phänomene, die im Zusammenhang mit dem Sehen auftraten.

Da stellte man nämlich fest:

Leute können sehen, ohne dass ihre Augen daran beteiligt sind.

Typischerweise ist dies der Fall, wenn der Gebrauch der Augen blockiert wird - sei es, dass die Leute bei ihren Tätigkeiten die Augen geschlossen halten oder sei es, dass physikalische Objekte ein Sehen eigentlich verunmöglichen: Wände, die zwischen einer Person und dem zu sehenden Objekt liegen. Oder auch Binden, die über die Augen gelegt werden.

Und dann gibt es noch eine ganz andere Ausgangslage: Da wird der Zugang zu den Augen nicht blockiert. Doch der Einsatz der Augen ist überflüssig:

Die Leute sehen mit Hilfe der Finger oder mit dem Bauch.

 

Durch Wände oder sonstige Hindernisse sehen: Das hat man im Goldenen Zeitalter der Hypnose immer wieder beobachtet.

Aber es kommt auch heute noch vor.

 

Durch Wände sehen heute: Georg Rieder

Noch nicht allzu lange ist es her, da erschien in der Neuen Zürcher Zeitung NZZ ein Artikel über einen Mann mit dem Namen Georg Rieder.

Dieser Georg Rieder fiel auf. Er war nämlich imstande, durch Wände zu sehen  - und zwar mit blossem Auge und ohne jedes technische Gerät.

In jungen Jahren setzte er diese Fähigkeit ein, um einen Blick in die Wohnung seiner Nachbarn zu werfen. Später dann fand er ein weit sinnvolleres Betätigungsfeld: Er schaute in die Körper kranker Menschen hinein und unterstützte damit einen Arzt, mit dem er zusammen in einer Praxis arbeitete.

 

Durch Wände sehen: ein Blick in das Goldene Zeitalter der Hypnose

In einer Fachzeitschrift aus dem Jahre 1852 lesen wir den Bericht eines Autors, der an einer Frau folgende Beobachtung anstellte:

DerAutor erzählt:

Ich liess die Frau hinter eine Eichentüre Platz nehmen. Ich forderte sie auf, mich durch dieses Hindernis anzuschauen. Due Frau hatte zuerst einige Mühe, dieses Hindernis zu überwinden. Am Schluss aber sah sie mich und beschrieb alle Bewegungen, die ich ausführte. Die gleichen Ergebnisse erzielte ich, als ich die Eichentüre durch eine zehn Zentimeter dicke Wand ersetzte.

 

Quelle:

Faits et Expérience,  1 Magie, S. 532; Autor Morin. In: Journal du Magnétisme, Volume 11, 1852, Seite 532. Z. 15. 7. 2026 

journal_du_magnetismsev11_1852.pdf 

 

 

 

Manchmal muss man gar nicht durch die Wände sehen

Menschen konnten optische  Hindernisse umgehen.

Diese Menschen sollten z B erkennen, was sich in einem ihnen unbekannten Zimmer befindet. Doch das tun sie nicht, indem sie durch die Wände dieses Zimmers blicken. Sie tun es, indem sie sich geistig auf eine Reise in das Zimmer begeben und sich dort im Geiste umschauen.

Es war etwas schwierig gewesen, den Mann in Hypnose zu versetzen. Als es dann aber doch gelungen war, spielte sich folgende Szene ab:

In ihrem Geiste betrat die hypnotisierte Person die Wohnung des Hypnotiseurs. In ihrem normalen Leben war er noch nie dort gewesen.

Ein anwesender Advokat wünschte sich, mit der Frau während der Hypnose in Verbindung zu treten. Dieser bat sie, das Haus des Advokaten zu beschreiben.

Die Versuchsperson war noch nie in diesem Haus gewesen. Es entspann sich folgender Dialog:

“Möchten Sie mein Haus sehen und es mir beschreiben?”

Der Hypnotisierte antwortete:

“Das will ich gerne. Ich bin nun dort. Ich trete durch die Türe ein.”

Dann beschrieb sie die Anordnung der Zimmer im Erdgeschoss. Der Advokat hörte und zu und bat sie dann, die Treppe im Haus hinauszusteigen und den ersten Stock zu beschreiben.

Sie nahm dann den Advokaten auf einen geistigen Rundgang durch den ersten Stock mit und beschrieb dem Advokaten alles, was sie auf diesem Rundgang sah.

 

Der Advokat bestätigte, das alles von ihr richtig gesehen worden war – bis auf ein Detail: Die Versuchsperson hatte gesagt, dass sich eine Flasche auf dem Arbeitsplatz des Advokaten befand. Das aber war nach dessen Aussage falsch.

“An meinem Arbeitsplatz steht keine Flasche”, meinte der Advokat.

Die Versuchsperson war erstaunt:

“Sie sagen, dass es keine Flasche hat. Sie täuschen sich. Ich bin mir sicher, dass die Flasche dort ist: ich sehe sie sehr gut. Schauen Sie doch selbst, sie ist an jenem Ort, an dem Sie schreiben. Sie sehen Sie nicht? Das ist erstaunlich, denn sie ist nun wirklich genug gross”

 

Beide Parteien beharrten auf ihrer Meinung. Die Versuchsperson war davon überzeugt, dass eine Flasche auf der Arbeitsflüche stand; der Advokat verneinte dies energisch. Schliesslich kam jemand auf die Idee, dass es nützlich sein könnte, dem Haus des Advokaten einen Besuch abzustatten; dann würde sich zeigen, wer recht hatte und wer nicht.

Das wurde getan. Der Besuch im Haus des Advokaten endete in einer Überraschung: Die Flasche stand tatsächlich auf dem Arbeitsplatz des Advokaten. Dieser musste kleinlaut eingestehen, dass er sich getäuscht hatte: Er hatte am Morgen die Flasche gebraucht und sie in sein Arbeitszimmer geholt. Dort hatte er sie auf seinem Pult stehenlassen - doch da spielte ihm sein Gedächtnis einen Streich: Dass er sie dort hatte stehen lassen, hatte er tatsächlich vergessen.

Solche Gedächtnistäuschungen kommen vor und sind nicht ganz selten. Wichtig in unserem Zusammenhang aber ist dies: Calixte Renaux hatte es nicht notwendig, durch irgendwelche Wände zu sehen. Er machte sich die Sache viel einfacher. Er blickte nicht durch die Wände, sondern er begab sich geistig in die Wohnung des Advokaten und schaute sich dort um.

Quelle:

Journal de magnètisme-animal, publié sous la diréction de M. J. J. A. Ricard, November 1859

Le somnambule Calixte Renaux.

Z  9. 1. 2025

archive.org   s5id11854670.pdf

S. 20   

 

Kam Calixte über das Gedankenlesen zu seinen Einsichten?

Kaum.

Warum kann Calixte Renaux sagen, wie es in einer Wohnung aussieht, in der er noch nie gewesen ist?

Eine Erklärung lautet, dass er im Geiste die Wohnung betreten und sich dort umgeschaut hat.

Es gibt jedoch eine andere Erklärung. Sie lautet, dass Calixte  in den Kopf des  Advokaten gegangen ist. der die Wohnung kennt und dass er dort dieses Wissen  gleichsam anzapft hat - was dann darauf hinausläuft, dass er die Gedanken des Advokaten gelesen hat - ein Fall von Gedankenlesen also.

Gedankenles wurden häufig als Erklärung angeboten und diskutiert. Hier allerdings dürfte Gedankenlesen bei Calixte Renaux kaum als Erklärung taugen - hätte Calixte Renaux die Gedanken des Advokaten angezapft, wäre er ebenfalls auf die  Idee gekommen, dass sich keine Flasche auf dem Pult befand.

Das bedeutet übrigens nicht, dass es kein Gedankenlesen gibt. Es bedeutet bloss, dass es in diesem Falle keine Rolle gespielt hat. Darüber, ob es Gedankenlesen an und für sich gibt, sagt es nichts, aber auch gar nichts aus. 

 

Ein höchst interessanter Fehler und ein höchst interessanter Doppelblindversuch

Früher gab es Taschenuhren.

Sie hatten einen Deckel. Schloss man diesen Deckel., wurde der Blick auf das Zifferblatt unmöglich.

Es sei denn, man war in der Lage, durch den Deckel aufs Zifferblatt zu sehen.

Da gab es eine Person, bei der die Wissenschafter überprüften, ob sie tatsächlich in der Lage war, durch diesen Deckel zu sehen.

Die Wissenschafter gingen wie folgt vor.

Sue schlossen den Deckel einer Uhr. Damit könnten sie das Zifferblatt nicht mehr sehen.

Dann verstellten sie die Zeiger der Uhr. 

Wo sich diese auf dem Zifferblatt befanden, wussten die Wissenschafter nicht. Und damit wurde das Experiment zu einem Doppelblindversuch.

Dann musste die Versuchsperson angeben, welche Uhrzeit die Zeiger anzeigten.

,Zehn Minuten nach Eins', sagte die Versuchsperson.

Das wsr falsch.

Die Zeiger standen bei 10 Minuten vor 11.

An dieser Stelle kann es nützlich dein, wenn Sie von beiden Uhrzeiten eine Zechnung anfertigen:

10 Minuten nach Eins

und

10 Minuten vor Elf.

Denn dann fällt Ihnen etwas auf: Die beiden Uhrzeiten entsprechen sich - die eine Uhrzeit ist das Spiegelbild der anderen.

Der Autor des Artikels, in dem dies beschrieben wird, rätselt:

Zwar hat die Versuchsperson eine falsche Zeit angegeben. Aber ist es nicht merkwürdig, dass diese angegebene Zeit ausgerechnet das Spiegelbild  der korrekten Zeit ist?

Könnte natürlich auch Zufall sein. Oder eben doch nicht?

Journal du Magnétisme 1858, S. 264.

Lamothe: Detail et commentaries de quelques expériences, S. 262 - 270.

 

 

 

 

 

 

MIT DEN FINGERN UND DEM BAUCH SEHEN

 

Fragt man die KI, ob Menschen mit den Fingern sehen,  lesen oder Farben erkennen können, ist die Antwort klar: Das geht aus biologischen Gründen nicht. Der menschliche Finger ist dazu nicht geschaffen.    Ki Anfrage 27. 6. 2026

 

Blättert man jedoch in alten Büchern, sieht es etwas anders aus.

 

Schon früh taucht in der Literatur der Hinweis auf, dass Menschen auch ohne Augen Dinge optisch erfassen können.

Im Jahre 1815 schrieb z. B. der Professor Kluge ein Lehrbuch über den Magnetismus. Das Buch wae als eine Hilfe für seine Mediziner-Kollegen gedacht. Sie sollten dem Buch entnehmen können, was es mit dem 'Magnetismus' auf sich hat: Wann und wo nützt er - und was ist zu beachten, damit er nicht schadet?

Wenn man das Buch in die heutige Zeit überträgt, ist es ein Lehrbuch, das der praktischen Anwendung der Hypnose gewidmet ist - und zwar zuhanden der Mediziner und nicht der Laien. Der Magnetismus gehörte nach Kluge nicht in deren Hände.

Kluge hat sich in den wissenschaftlichen Arbeiten umgesehen, die damals in Deuschland, Frankreich, Italien, England und Holland publiziert wurden.

 

Die Magengegend als Sammelplatz aller Sinnesempfindungen

Auf der Seite 112 hält Kluge fest, dass die Magengegend zum Sammelplatz aller Sinnesempfindungen wird:

"Der Somnambul erkennt daher so gut, wie durch Getaste, den Stand der Zeiger auf einer dicht gegen seineHerzgrube gehaltenen Uhr. Er muss aber wohl hierzu von seiner Seite eine grosse Anstrengung des Willens erfordert werden, indem solche Wahrnehmungen bei ihm nicht gleich die gehörige Deutlichkeit haben, sondern nur nach und nach erst an Bestimmtheit gewinnen. Gmelin stellt hierüber manche sehr interessante Versuche an. 

Er zog z. B. aus einem gemischten Spiel Karten dicht vor der Herzgrube seiner Somnambule eine Karte heraus und drückte die Farbseite derselben mit seinen Fingern gegen die Herzgrzube der Somnambulen, so, dass weder von ihr, noch von den Umstehenden die Karte gesehen und unterschieden werden konnte; nun fragte er, was dies für eine Karte sei und die Somnambule antwortete, es sei ein Bild; nach einiger Zeit unterschied sie erst, ob es eine Dame, ein König oder Bube war; eine Weile drauf nannte sie die Couleur und bestimmte endlich, ob es Caro, Treff u.s.w. war; besah man nun die Karte, so fand man jederzeit ihre Aussage bestätigt. Der Erfolg war immer derselbe, wenn auch, für den Ungläubigen, der Somnambule die Augen verbunden werden d). - T a r d y erwähnt ebenfalls eine Somnambule, welche, bei fest verbundenen Augen, fremde und ihr unbekannte Schriften las, sobald man sie ihr dicht gegen die Herzgrube legte. Ähnliche Erfahrungen wurden auch von mehreren anderen Magnetisten gemacht. 

 Kluge 1815, S. 112

 

S. 113

,Haben die Somnambulen ihr Wahrnehmungsvermögen in der Magengegend erst durch öftere Übung cultiviert, so ist es nicht mehr nöthig, den Gegenstsand damit in unmittelbare Berührung zu bringen, sondern es ist schon hinreichend, wenn man ihn n ur in einiger Entfernung der Herzgrube gegenüber hält, wo er gewähnlich dann deutlicher erkannt wird, als wenn man ihn in die Nähe der Augen bringt a). Auch diese Versuche sind bei verbundenen Augen mit dem nämlichen Erfolg wiederholt worden.'

Und weiter.

 

'Einige Somnambulen scheinen indes eine Ausnahme hiervon zu machen. N a s s e  legte z B seiner Kranken über beiden Augenlider ein Paar fest anliegenden, die ganze Augengegend bedeckende Heftpflaster, und hielt ihr dann gefärbte Papiere vor. Sie erkannte die Farben, nur mussten ihr diese Papiere in der Richtung vorgehalten werden, als wenn sie solche mit den Augen sehen sollte; wenigstens erkannte sie diesselben dann am besten.

Kluge  S. 137

 

Ainsi B ... a la faculte az moins apres suggestuion de reconnaitre avec les doigts ka couleur d un object soit par ses proprietes tactiles experience en chambre nore) soit par les proprietes de coloration des rayons reflechie (recherche de couleur a travers un lame de verre ) il peut enfin reconnaitrese et lire avec les doigts und figure quelquonces trace sur un carton soit par impression soit par photographie 

 Revue des science hypnotique v 2 1887 8 p 100