Hypnotherapien finden heute in einer ruhigen und entspannten Atmosphäre statt.

Das lässt vergessen, dass es im Goldenen Zeitalter der Hypnose nicht immer sanft zuging.

Da war das Phänomen des Tischerückens: Tische machten Kapriolen, hinter denen massive Kräfte zu stehen schienen.

 

Oder es gab Lichterscheinungen - Hypnotiseure stellten fest, dass von ihnen Lichter in verschiedenen Farben ausging. Oder sie sahen Lichter, die von hren Patienten und Patientinnen ausgingen.

 

"Ich habe auch Leute angetroffen, die, wenn ich sie in Hypnose zu versetzen begann, blaues oder graues Licht sahen, das von meinen Fingerspitzen ausging."

 

Ashburner, John: Vacts in Mesmerism, extracted from the Zoist, London, 1848, S. 24

 

 

Das faszinierte die damaligen Hypnotiseure, die sich natürlich fragten, welche Kräfte hinter diesen Erscheinungen steckten.

Zwei Schlüsselbegriffe prägten die damalige Diskussion: Fluid und Mesmerismus.

 

Mesmerismus und Fluid in ihrer allersimpelsten Form. 

 

Hinter dem Mesmerismus und dem Fluid steckt folgende Annahme:

 

Überall in der Natur steckt eine besondere Kraft.

Sie ist verborgen.

Doch wenn man es geschickt anstellt, kann man diese Kraft ausnutzen und mit ihr Gutes tun.

 

Wie kommt man zu dieser Annahme?

Weit hergeholt ist sie nicht.

Sie liegt nur schon nahe, wenn man an die Elektrizität denkt.

Denn sie ist eine Kraft, die in der Natur vorhanden ist und die wir  ausnutzen können.

Zum Glück  hat es in den vergangenen Jahrhunderten kluge Leute gegeben. Sie haben herausgefunden, wie man es anstellen kann, damit man mit der Elektrizität Gutes zu tun vermag:

Davon profitieren Sie: Dank der Elektrizität können Licht erzeugen, damit es in der Nacht hell wird, und Sie können Wärme erzeugen, damit Sie nicht kalt duschen müssen.

Mesmers Idee und diejenigen viele anderer Leute war die: Es gibt in der Natur eine weitere Kraft, die wir vor allem in der Medizin ausnutzen können - wir müssen nur herausfinden, wie man das macht.

 

Mesmerismus und Fluid 

Zwei Schlüsselbegriffe dominierten die Diskussion um die Hypnose im Goldenen Zeitalter.

 

Fluid

Wiederum in der allersimpelsten Form kann man es so sagen:

Für diese verborgene Kraft gab es einen Namen. Man nannte sie Fluid. 

Manchmal wurde auch ein anderer Begriff gewählt  - Esdaile zum Beispiel spricht von einem 'vital agent'   

Esdaile, Mesmerism in India, 132

 

 

Mesmerismus

Diese Bezeichnung geht auf einen Herrn namens Mesmer zurück.

Mesmer trat mit dem Anspruch auf, einen Weg gefunden zu haben, wie man die Kraft ausnutzen kann, wenn man Menschen heilen will.

 

 

Der Streit beginnt

Während der Goldenen Zeit der Hypnose wurde heftig gestritten..

Denn viele Dinge waren zu klären.

"Wir schreiten immer noch als Blinde durch ein unbekanntes Gebiet."   

Journal du Medécine,  1850       S 121

 

Da war zuerst einmal die Frage, ob es hier wirklich um eine neue Kraft geht.

Es hätte ja auch sein können, dass die Kraft nichts anderes als eine besondere Spielart der Elektrizität darstellt.

Und da war Mesmer:

Er war heftig umstritten. Hatte er wirklich einen Weg gefunden, wie man die Kraft medizinisch ausnutzen kann. 

Oder war Mesmer im besten Fall  ein Dampfplauderer, der viel versprach und wenig hielt  - oder war er im schlimmsten Fall ein Betrüger?

Und da war noch ein Punkt:

Oft bewirkten zu dieser Zeit Hypnotiseure Heilungen, die den Menschen wie ein Wunder vorkommen mussten:

Gelähmt Menschen konnten wieder gehen, und taube Menschen konnten wieder hören.

Das waren Phänomene, die sich manche Leute nicht erklären konnten - handelte es sich um Wunder? Oder was das alles Teufelswerk?

Auch darüber wurde gestritten.

Journal du Magnétisme,  1850    S. 398

 

Wie man sieht, gab es grossen Diskussionsbedarf ...

 

 

 

Der Mesmerismus gerät ins Zwielicht

 

Mesmer hat einen Weg aufgezeigt, wie man die Kraft nützen kann.

Ebenso einen Weg aufgezeigt hat James Esdaile: Das Buch, in dem er seine schmerzfreien Operationen beschreibt, trägt denn auch den Titel 'Mesmersim in India'. 

Esdaile hatte mit seinem Vorgehen Erfolg - und damit könnte man auch sagen: Esdaile hat gezeigt, dass hinter dem Mesmerismus etwas steckt. Man kann mit ihm etwas Nützliches erreichen.

Esdaile selbst war denn auch davon überzeugt, dass die Erfolge des Mesmerismus wichtig waren.

Bei den Operationen ohne die Verwendung von Schmerzmitteln handelt es sich seiner Meinung nach um eine der grössten medizinischen Errungenschaften.

Mehr noch:

Was man beim Einsatz des Mesmerismus gesehen hatte, warf nach Esdailes Meinung ein neues Licht auf die Natur des Menschen.

Von da her war sich Esdaile sicher:

Wer in Zukunft in der Medizin die Mesmerischen Phänomene beiseite lässt und nicht über sie spricht, verhält sich etwa so, wie wenn er den Blutkreislauf beiseite lassen würde.

 

Eigentlich waren das gute Voraussetzungen dafür, dass die 'Mesmerischen Phänomene', wie Esdaile sie nannte, in Zukunft beachtet, erforscht und nutzbringend im mediznischen Alltag angewendet würden.

 

Doch es kam anders.

Total anders.

Dem Mesmerismus blies ein kräftiger Wind entgegen - und zwar auch dann, als Esadaile seine Untersuchungen in Indien abgeschlossen und publiziert hatte.

Esdailes Buch über seine Operationen in Indien erschien 1846. Sechs Jahre später und damit in einem Buch von 1852 gibt Esdaile einige Kostrproben der Reaktionen, mit denen es der Mesmerismus zu tun bekam.

Wobei es sich bei diesen Kostproben nicht etwa um Auszüge aus irgendwelchen billigen Pamphlete handelte: Die Kostproben stammen unter anderem aus der Zeitschrift 'Lancet' und damit einer Zeitschrift, die ein sehr hohes Ansehen genoss:

"Bevor wir das Thema des Mesmerismus beiseite legen, werden wir zeigen, dass es sich um  die längst bekannten Elemente der Quacksalberei handelt -  kühne Behauptungen und ungenau beobachtete Fakten."

"Man muss nur einige Monate abwarten: Dann wird klar, dass man sich bezüglich des Mesmerismus geirrt hat - die Leute, die den Mesmerismus propagiert haben, werden als Betrüger entlarft worden sein, die so laut herausposaunten Fakten werden in Fetzen zerrissen sein, und das Lehrgebäude, das über dem Mesmerismus errichtet wurde, wird der Lächerlichkeit priesgegeben."

(Nach Esdaile 1855, S. 261, leicht abgeändert).

Auffallend ist auch die Reaktion einer Zeitschrift, in der Esdaile über seine Erfahrungen in Indien berichten wollte:

Bei dieser Zeitschrift handle es sich, so liess der Verleger verlauten, um eine Zeitschrift, 

Äääü

die auf die Praxis ausgerichtet sei - wobei man sich da natürlich fragen kann, inwieweit Esdailes Arbeit in Indien in einem real existierenden Krankenhaus an real existierenden Patientinnen und Patienten nicht auf die Praxis ausgerichtet gewesen war...

Und schliesslich ist da noch die Zeitschrift Lancet  - 1848 hielt diese kurz und bündig fest:

"Wir können keine Artikel publizieren, die mit einem dermassen abscheulichen Betrug handelt, wie dies der Mesmerismus darstellt"  

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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